Die Geschichte von Brendan Sorsby wird immer absurder. Der Quarterback wollte über den Supplemental Draft in die NFL, doch die Liga hat einen Strich durch die Rechnung gemacht und verzichtet 2026 komplett auf diese Möglichkeit. Sorsby reichte seinen Antrag gerade noch rechtzeitig ein, nur drei Geschäftstage vor dem Stichtag 22. Juni. Die NFL schrieb ihm dann aber zurück, dass sein Antrag "ohne jegliche Unterlagen oder Dokumentation" kam und nur eingereicht wurde, "nachdem Sie Ihre kürzlichen Gerichtsverfahren zur Vermeidung von NCAA-Sanktionen aufgegeben haben".
Das ist der Kern des Problems: Sorsby hat eine Glücksspielsucht. Er gab zu, Wetten auf verschiedenste Sportarten platziert zu haben, absolvierte danach ein stationäres Reha-Programm. Die NCAA lehnte seinen Antrag auf Wiederherstellung seiner Spielberechtigung im Mai ab. Eine Richterin in Texas gab ihm dann im Juni eine einstweilige Verfügung, die ihn für die College-Saison 2026 spielfähig machte. Doch zwischen einer Klage der Big 12 gegen Texas Tech und der öffentlichen Debatte um seine Berechtigung zog Sorsby schließlich einen anderen Weg in Betracht: den Weg in die NFL statt zurück aufs College.
Genau an diesem Punkt griff die NFL ein. General Counsel Larry Ferazani erklärte in seinem Brief, dass die Liga schlicht nicht genug Zeit hatte, Sorsbys Fall gründlich zu prüfen. Der Supplemental Draft müsste spätestens sieben Tage vor Trainingslager-Start stattfinden, das hätte Mitte Juli sein müssen. Sorsby wartete zu lange, der Antrag kam zu kurzfristig und zu dünn begründet. Die NFL hat sich damit auf ihre volle Diskretionäre Befugnis gestützt: Sie darf einen Supplemental Draft ausrichten oder eben nicht. Zuletzt gab es einen 2019.
Sorsbys Anwalt Jeffrey Kessler sieht das ganz anders. Er warf der NFL vor, damit das Tarifabkommen und Arbeitsrecht zu verletzen. Die NFLPA wird die Sache jetzt verfolgen. Aber bis dahin hängt Sorsby in der Luft. Zurück zu Texas Tech kann er formal nicht mehr, die Saison 2026 ohne NFL-Alternative dürfte für ihn bedeuten, dass er entweder ein anderes College akzeptiert oder auf den 2027er Draft wartet.
Es ist eine klassische Verkettung von Pech und Timing. Sorsby hatte die NCAA-Genehmigung, die Richter war mit ihm, aber die öffentliche Skepsis wurde zu groß. Also versuchte er, ins professionelle Geschäft zu wechseln. Die NFL aber wollte sich auf diesen fragwürdigen Fall nicht einlassen. Sie kennt die Glücksspiel-Problematik aus anderen Fällen wie Hunter Dekkers bei Iowa State, dessen Karriere 2023 endete, bevor sie richtig begann. Die Botschaft der Liga: Wer mit Geld auf Spiele setzt, bekommt keine Sonderbahn in die NFL.
Deutsche Fans, die die Draft-Mechaniken der NFL verfolgen, sollten Sorsbys Fall im Blick behalten, weil er zeigt, wie eng die NCAA und NFL verflochten sind und wie Ligaentscheidungen rückwärts wirken. Sorsby könnte noch in den regulären Draft 2027 gehen, aber sein Gamblingproblem und die öffentliche Skepsis werden ihn dort eher nicht helfen. Für Fantasy-Prospekt-Listen ist er aktuell irrelevant. Die Geschichte ist auch ein Lehrstück darüber, dass Talent allein nicht reicht, wenn die Charakterfragen zu laut werden.