Der Schrecksekunde dauerte nicht lange. Die Oklahoma City Thunder lagen gegen die San Antonio Spurs keine drei Minuten in Spiel 3 der Western Conference Finals mit 0:15 zurück, da griff Coach Mark Daigneault zum ersten Mal zur Bank. Und plötzlich drehte sich alles um. Die Thunder gewannen 123:108 und führten die Serie jetzt 2:1, angetrieben von einer Leistung ihrer Reserve, die in der NBA-Historie ihresgleichen sucht.
Diese 76 Punkte von der Bank waren die meisten, die ein Team jemals in einem Conference-Finals-Spiel seit Einführung des 16er-Playoffs 1984 scored. Den bisherigen Rekord hielten die Los Angeles Lakers mit 69 Punkten aus dem Jahr 1985. Damit setzten die Thunder ein beeindruckendes Muster fort. Schon in Spiel 1 kamen 50 Punkte von den Reservisten, in Spiel 2 waren es 57. Die Bankspieler trugen 62 Prozent der gesamten Offensive in Spiel 3 bei, etwas das in den letzten vier Jahrzehnten kein Team in einem gewonnenen Conference-Finals-Spiel geschafft hatte.
Shai Gilgeous-Alexander, der MVP der Serie, erzielte 26 Punkte und Chet Holmgren kam auf 14. Doch die Startspieler kamen zusammen nur auf zwei zweistellige Scorer. Der Rest kam von vorne. Jared McCain traf 24 Punkte und stellte damit einen neuen Playoff-Karrierebestwert auf. Jaylin Williams, der für den verletzten Jalen Williams einsprang, versenkte fünf Dreier und erzielte 18 Punkte, ebenfalls ein Playoff-Karrierehoch. Alex Caruso, der erste Auswechslungsspieler nach den ersten 15 Punkten der Spurs, steuerte 15 Punkte bei und kommt in dieser Serie bereits auf 63 Punkte. Das ist der beste Drei-Spiele-Scoring-Stretch seiner kompletten Karriere.
Die Wende kam unmittelbar nach Caruso Einsatz. San Antonio hatte mit dem 0:15-Lauf eine Schockstarre ausgelöst, doch der Routinier stabilisierte das Spiel sofort. Durch seinen Einsatz war der Großteil des Vorsprungs bis Ende des ersten Viertels aufgelöst. Von da an kontrollierten die Thunder das Spiel. Nach dem 0:15-Rückstand endete die Partie mit einem 123:108-Sieg für Oklahoma City.
Ballports-Take: Die Thunder zeigen hier ein Szenario, das für europäische Fans interessant ist. Ein Team zu bauen, das nicht auf einzelne Superstars angewiesen ist, sondern breite Tiefe hat, wird in modernem Basketball immer wichtiger. McCain, Williams und Caruso sind alle etablierte NBA-Profis, die in den richtigen Momenten zutrauen, ein Spiel zu entscheiden. Für Fantasy-Spieler gilt: Caruso und McCain sind nach diesen Performances hochinteressant für die kommenden Spiele. Oklahoma City ist jetzt zwei Siege vom Finals entfernt, und wenn die Bank weiterhin so liefert, haben selbst die Spurs ein echtes Problem.