Die New York Knicks warten seit 1973 auf einen NBA-Titel. Diese lange Durststrecke erklärt, warum Elmo diese Woche unversehens zum Schachzug in einer größeren Geschichte wurde. Der "Sesame Street"-Charakter postete vor Spiel 1 der NBA Finals eine Nachricht, die eigentlich nur nett gemeint war: "Elmo hofft, beide Teams haben Spaß!" Das war für viele Knicks-Fans ein Fehler.
Die Reaktion kam prompt und deutlich. Hunderte Antworten drängten Elmo, endlich Farbe zu bekennen. Ein Spiel um die Meisterschaft sei nicht der Ort für solche Neutralität, argumentierten die Fans. Andere wiesen darauf hin, dass New York eine Institution wie Elmo nicht einfach abgeben dürfe, wenn es um den ersten Titel seit fünfzig Jahren gehe. Das Argument hat Gewicht: "Sesame Street" ist tief in New York verwurzelt. Manhattans Architektur inspirierte die ikonische Straße der Serie, 2019 wurde sogar ein Stück der West 63rd Street offiziell in Sesame Street umbenannt. Die New York City Department of Transportation tweetete sogar ein Foto von dieser Zeremonie als Antwort auf Elmos Original-Post.
Der Druck wirkte. Am Donnerstag versuchte Elmo nachzubessernd: "KNICKS diese letzte Nachricht! Elmo wollte euch nicht SPUR-en!" Ein Wortspiel zwischen Knicks und Spurs. Wieder bombardierten Fans die Replies, diesmal mit der Forderung, er solle aufhören zu scherzen und endlich Klartext sprechen. Währenddessen freute sich die San Antonio Spurs köstlich über Elmos unbeabsichtigte Unterstützung. Vor Spiel 2 postete das Team ein Foto von einem Elmo-Plüschtier in Spurs-Shirt. Die Spurs hatten früher in der Saison sogar ein komplettes Sesame-Street-Themen-Spiel ausgerichtet. Mit Spiel 3 kehrt die Serie am Sonntag ins Madison Square Garden zurück nach New York. Sollte Elmo dann immer noch unentschlossen wirken, dürfte die Kritik noch deutlicher ausfallen.
Ballports-Take: Das Ganze wirkt auf den ersten Blick als kuriose Randnotiz, zeigt aber etwas Fundamentales über Sportfans: In Championship-Serien gibt es keinen Platz für Neutralität, erst recht nicht für etablierte Ikonen einer Stadt. Für deutsche Fans ist das ein Fenster in die emotionale Dichte, die NBA-Finals in den USA haben. Die Knicks-Fans haben fünfzig Jahre gehungert. Da wirkt selbst ein Sesamstraßen-Charakter relevant. Interessant auch: Wie schnell soziale Medien einen Charakter in die Story hineinziehen können. Im deutschen Basketball passiert ähnliches, nur mit weniger viraler Kraft. Elmos Lektion bleibt aber universal gültig.