Sydney Johnson, Trainer der Washington Mystics, wurde am Samstag nach einem Feldverweis von Polizeibeamten vom Platz eskortiert. Die Szene spielte sich in der dritten Minute des dritten Viertels ab, als Schiedsrichter Alicia Florez Getino ein Foul beim Verteidigen gegen Atlantas Angel Reese pfiffen. Johnson geriet daraufhin in einen heftigen Streit mit den Offiziellen, während seine Assistenten versuchten, ihn zur Bank zurückzuführen. Als die Situation eskalierte, erschienen drei Polizeibeamte auf dem Parkett und begleiteten Johnson hinaus. Der Coach verließ die Arena schließlich ruhig.
Zu diesem Zeitpunkt lagen die Mystics bereits mit 64:43 zurück. Die Atlanta Dream gewann das Spiel mit 109:77, was sich als die heftigste Niederlage der Saison für Washington herausstellte. Nach der Partie sprach Johnson offen über seinen Ausraster: "Ich habe die Beherrschung verloren." Er betonte gleichzeitig, dass die Schiedsrichter angemessen reagiert hatten. Auf die Frage, was ihn genau an dem Foul-Pfiff gestört hatte, wollte sich Johnson nicht weiter äußern. Stattdessen lenkte er den Fokus auf die Leistung seiner Mannschaft: "Ich will nicht von Atlantas hartem Einsatz ablenken und auch nicht von einem wichtigen Lernmoment für unser Team."
Johnson machte deutlich, dass der Feldverweis nicht seiner grundsätzlichen Philosophie entspricht. "Ich bin nicht der große Befürworter davon, sich einzumischen", sagte er. "Unsere Spieler müssen sich ihren Platz in der Liga verdienen, und wir sind bereit für diese Herausforderung." Er betonte zugleich, dass Coaches coachen, Spieler spielen und Schiedsrichter pfeifen sollten, ohne dass jemand versucht, die anderen zu beeinflussen.
Kiki Iriafen, die mit 24 Punkten beste Scorerin der Mystics, war einer derjenigen, die versuchte, ihren Coach zu beruhigen. "Coach steht immer hinter uns", sagte sie. "Er tut alles, um uns zu schützen. Ich habe nur versucht, die Situation zu entschärfen." Die Mystics sind mit einem Durchschnittsalter von 23,4 Jahren das jüngste Team der Liga. Nach der Niederlage gegen Atlanta (4:5) empfangen Washington am Montag die Indiana Fever (5:5) zum nächsten Spiel.
Ballports-Take: Was sich in Atlanta abspielte, ist ein klassischer Fall von emotionaler Volatilität unter Druck. Johnson ist ein junger Coach mit einem jungen Team, das sich in der WNBA noch beweisen muss. Dass er in einem solchen Moment die Kontrolle verliert, macht ihn nicht zum schlechten Trainer, zeigt aber, dass auch junge Führungspersonen an ihrer Standfestigkeit arbeiten müssen. Für deutsche Fans, die die Mystics verfolgen, ist das ein wichtiger Moment: Eine Mannschaft kann nur gemeinsam wachsen, wenn der Coach auch in schwierigen Momenten vorangeht. Johnsons selbstkritische Reaktion danach deutet darauf hin, dass er diesen Moment als Lernchance nutzen wird.