Die Tennessee Titans sehen in ihrem Quarterback Cam Ward momentan einige Schwankungen bei der Wurfgenauigkeit während der OTAs in den letzten Wochen. Das Trainerteam macht sich darüber aber keine Sorgen. Beim Start des Minicamps am Dienstag betonte Headcoach Robert Saleh in aller Deutlichkeit, dass die Organisation vollständig hinter Ward steht und überzeugt davon ist, dass der zweite Jahres-Quarterback die richtige Wahl für die Position ist.
Saleh zog einen direkten Vergleich zu Brock Purdy, um die Situation einzuordnen. Der Rams-Quarterback zähle zu den präzisesten im gesamten Football, verwerfe aber regelmäßig Würfe, was völlig normal sei. Ward arbeite an verschiedenen Dingen, wie jeder andere Spieler auch während der Vorbereitung. Das Kernproblem liegt woanders: Der Quarterback muss sich gleichzeitig in eine neue Offense von Koordinator Brian Daboll einarbeiten und sich an seine neuen Receiver Carnell Tate und Wan'Dale Robinson gewöhnen. Zwischen Ward und seinen Pass Catchern findet aktuell ein Abstimmungsprozess statt, der sich nur durch Trainingsreps auflöst.
Ward erklärte, dass er in der Praxis verschiedene Ansätze ausprobiert, um diese später in Spielen umzusetzen. Er achte bewusst darauf, die gegnerische Defense schneller zu lesen, während er zurückgeht, und entscheide dann bereits im Rückwärtsgehen, ob er mobil werden oder zum Check Down gehen muss. Die Defense der Titans sei sehr gut darin, ihre Coverage zu verschleiern, was das Ganze noch komplizierter macht. Am Dienstag zum Auftakt des Minicamps zeigte Ward eine bessere Performance und warf einige Bälle in enge Passing Windows zu Tate und Robinson.
Daboll machte deutlich, dass sein Job darin besteht, Ward beim Verstehen der Offense zu helfen. Das erfordert Zeit im Filmraum und auf dem Platz. Der Koordinator zeigte sich insgesamt zufrieden: Ward verstehe die Offense gut, sein Footwork sei wirklich solide, und seine Eye Discipline sowie sein Feldblick seien beeindruckend. Daboll betonte: Cam kann alle Würfe werfen, es geht momentan um das Zusammenspiel.
Ward ist im deutschen Football noch nicht flächendeckend bekannt, aber für alle, die die NFL regelmäßig verfolgen, ist die Situation bei den Titans ein klassisches Szenario in der Offseason. Ein junger Quarterback, ein neuer Coach, neue Receiver und eine neue Offensive Scheme ergeben in den ersten Wochen unweigerlich Fragezeichen. Das Wichtigste: Das Coaching-Staff sendet keine Warnsignale, sondern Zuversicht. Wenn Daboll und Saleh nach wenigen Wochen bereits positive Fortschritte erkennen, ist Ward wahrscheinlich nicht das Problem der Titans in diesem Jahr.