San Francisco war kein gutes Pflaster für die New York Liberty. Das Team verlor gegen die Golden State Valkyries mit 76:65 und rutschte damit in eine besorgniserregende Serie ab: vier Niederlagen in fünf Spielen. Nach der Partie sprach Breanna Stewart Klartext. Die Forward forderte ihre Mannschaft auf, endlich wieder mit Intensität zu spielen. "Man kann nicht nur dann mit Herz und Einsatz spielen, wenn es läuft", sagte Stewart. "Es sind genau diese Momente, wenn man am tiefsten Punkt ist. Und dieses Team zeigt gerade nicht, wofür es stehen sollte."
Jonquel Jones hatte zwei Tage zuvor nach einem Verlust gegen Seattle eine ähnliche Botschaft in die Runde geworfen. Sie machte deutlich, dass es nicht um Spielzeiten oder Anzahl der Einsätze geht, sondern um pure Leidenschaft. Die Liberty sind diese Saison als Titelkandidaten gestartet. Das Team holte Satou Sabally zu ihrer etablierten Big-Three aus Stewart, Jones und Sabrina Ionescu. Dazu kam Chris DeMarco als neuer Head Coach mit neuem Offensive System. Doch dann kam die Ernüchterung: Ionescu fehlte verletzungsbedingt fast einen Monat, Sabally war immer wieder nicht verfügbar. Nach 19 Spielen stehen die Liberty bei einer Bilanz von 12:8 und rangieren nur auf Platz fünf der WNBA-Standings.
Gegen Golden State offenbarte sich das Identitätsproblem eindrucksvoll. Im Schlussquartal des ersten Halbs legten die Valkyries einen 13:2-Lauf hin und führten plötzlich mit 12 Punkten. Die Liberty brachten es nur auf 29 Punkte in der ersten Halbzeit. Mit insgesamt 65 Zählern markierte es ihr schwächstes Spiel der Saison. Bereits zum zweiten Mal in dieser Spielzeit lagen sie mit 22 Punkten zurück, wiederum gegen Golden State.
Sabrina Ionescu blieb bis zur Pause bei null Zählern. Das war bereits das vierte Mal diese Saison. Am Ende notierte sie neun Punkte bei 3 aus 10 Versuchen. Stewart erzielte 15 Punkte, Jones führte die Liberty mit 21 Zählern an. Doch Golden States Bank war entscheidend: Die Valkyries-Reservisten produzierten 39 Punkte, New York nur 11. Auch unter dem Korb fehlte es nicht an Problemen. Obwohl die Liberty in der Größe überlegen sein sollten, gab Golden State mit 30:24 Rebounds die Marschrichtung vor.
Coach Chris DeMarco erkannte das Kernproblem: "Wir müssen lernen, den Switch umzulegen. Wenn wir hinten sind, müssen wir selbst einen Lauf starten." Ionescu versuchte, optimistisch zu bleiben. Sie sprach von einer Chance zum Regroupieren nach der Auswärtsreise. Das nächste Spiel wartet bereits bald. Und es hat deutlich mehr Gewicht: Commissioner's Cup Finals gegen Las Vegas am Dienstag. Das Besondere: Vegas ist bislang das einzige Team, gegen das New York seit dem 19. Juni gewonnen hat.
Die Liberty haben sich selbst in eine schwierige Lage manövriert. Eine Big-Four-Besetzung garantiert nicht automatisch Erfolg, erst recht nicht wenn Chemie und Kontinuität fehlen. Für deutsche Fans, die die WNBA verfolgen, ist das ein interessantes Mahnmal: selbst Top-Besetzungen brauchen Zeit und klare Spielweise. New York muss schnell wieder Stabilität finden, sonst könnte die frühe Saison-Hoffnung schnell zur Enttäuschung werden. Das Commissioner's-Cup-Finale gegen Vegas wird zeigen, ob Stewart und Jones ihre Mannschaft wirklich erreicht haben oder ob die Zweifel noch tiefer sitzen als gedacht.