Las Vegas verlor am Donnerstag mit 87:95 gegen die Dallas Wings und ließ dabei eine zweistellige Führung liegen. Doch Trainer Becky Hammon ärgerte sich nach der Partie in Arlington nicht nur über die defensive Leistung ihrer Mannschaft, die in der zweiten Halbzeit 50 Punkte zuließ. Sie sprach auch ein systematisches Problem an, das sie schon lange beschäftigt: die Ungleichverteilung von Freiwürfen.
Hammon verglich die Freiwurf-Quoten direkt und deutlich. A'ja Wilson, vierfache Liga-MVP, warf einen Freiwurf. Chennedy Carter null, Jackie Young null. Gleichzeitig erzielte Awak Kuier, eine Bankspielerin im vierten Jahr, mehr Freiwürfe als Wilson, Carter und Young zusammen. Die Wings warfen 22 Mal von der Freiwurflinie, Las Vegas nur 12 Mal. Kuier allein kam viermal an die Linie. Beide Teams sammelten ähnlich viele Fouls (Dallas 16, Las Vegas 15), doch die Diskrepanz bei den Freiwurfchancen war offensichtlich.
Die Zahlen zeigen ein größeres Muster: Die Aces rangieren in dieser Saison mit durchschnittlich 18,3 Freiwurfversuchen pro Spiel am unteren Ende der Liga. Wilson selbst wirft im Schnitt 6,3 Freiwürfe, bei keinem anderen Spieler im Team liegt der Wert über 4. Hammon hat sich in der Vergangenheit nicht gescheut, öffentlich gegen Schiedsrichter-Entscheidungen zu argumentieren. In der vergangenen Playoff-Saison zahlte sie bereits eine Geldstrafe, weil sie sich zur Schiedsrichter-Qualität äußerte.
Dennoch lag Hammons Hauptfrust nach dieser Niederlage auf den Schultern ihrer eigenen Mannschaft. Die Aces spielten in der Defensive nicht durchgehend engagiert und brachten den Ball offensiv nicht genug in Bewegung. Dallas nutzte das aus und kam von 13 Punkten Rückstand in der zweiten Offensive bis zu einem 12-Punkte-Vorsprung im vierten Viertel zurück. Wilson selbst erkannte das Problem: Im zweiten Durchgang verlor Las Vegas seine physische Aggressivität.
"Es ist frustrierend, wenn man sich selbst besiegt", sagte Wilson. "Wir wissen, was wir falsch gemacht haben, und müssen es besser machen." Für die Aces (4:3) war es bereits die zweite Niederlage in Folge. Im Spiel davor unterlag die Mannschaft den Los Angeles Sparks mit 101 Punkten. Hammons Fazit war hart: "Solange wir nicht 40 Minuten lang Verteidigung spielen wollen, werden wir einfach weiter solche Niederlagen einstecken müssen."
Ballports-Take: Hammons Kritik an der Schiedsrichter-Konsistenz ist nicht neu in der WNBA, betrifft aber gerade die Aces in einem kritischen Moment. Für europäische Fans, die Las Vegas folgen, ist klar: Wilson und das Team müssen erst mal wieder defensive Stabilität zeigen, bevor man äußere Faktoren als Hauptproblem einordnen kann. Die nächsten Spiele werden zeigen, ob die Aces diese Niederlage-Serie stoppen können oder ob die Probleme tiefer sitzen als nur Freiwurf-Disparitäten.