San Antonio war an diesem Donnerstag ein Albtraum für Oklahoma City. Die Thunder kassierten eine 91:118-Niederlage gegen die San Antonio Spurs, die die Western Conference Finals damit wieder ausgeglichen haben. Das war das letzte, das die Thunder brauchten, denn ihre beiden Stars spielten unter ihrem Niveau.
Jalen Williams kehrte nach drei Spielen Verletzungspause zurück. Der All-Star hatte sich in Spiel 2 eine Zerrung am linken Oberschenkel zugezogen, war dann zu Spielbeginn noch als fraglich eingestuft, erhielt aber grünes Licht. Erst fünf Minuten vor dem Tip-off gesellte er sich zu den Aufwärmroutinen seiner Mannschaft dazu. Thunder-Coach Mark Daigneault ließ ihn vom Bench kommen, zum ersten Mal seit Dezember 2022, als Williams noch ein Rookie war. Zehn Minuten spielen reichten aus, um zu sehen, dass die Rückehr verfrüht wirkte. Eine Partie ohne Rhythmus: Williams schaffte nur einen Punkt, warf den Ball zweimal aus dem Feld weg und fehlte die Schnelligkeit, die ihn normalerweise auszeichnet. Er verließ das Frost Bank Center, ohne mit Reportern zu sprechen.
Daigneault versuchte, Williams zu schützen. Der Coach sagte hinterher, dass Williams offensichtlich nicht 100 Prozent bei Kräften sei und unter Spielbedingungen unklar gewesen sei, was er beitragen könne. Ein All-NBA-Spieler, der nicht das vollständige Return-to-Play-Protokoll absolviert hatte, das in der regulären Saison Standard wäre. Williams habe sein Bestes gegeben, aber er sei nicht der Grund für die Niederlage, betonte Daigneault.
Die größere Sorge ist aber Shai Gilgeous-Alexander. Der Back-to-Back MVP kämpfte erneut gegen Victor Wembanyama und San Antonios Defense. 15 Punkte bei 6 von 18 Würfen, weniger als die Hälfte seines Durchschnitts in der Regular Season. Besonders brutal: Stephon Castle war sein Verteidiger, und gegen Castle traf Gilgeous-Alexander nur einmal bei sieben Versuchen. Mit minus 28 lieferte Gilgeous-Alexander den schlechtesten Plus-Minus-Wert eines MVP in einer Serie-entscheidenden Situation seit Joel Embiid 2023. Das war bereits die vierte aufeinanderfolgende Partie, in der er unter 40 Prozent aus dem Feld traf. In der Regular Season und Playoffs war ihm das seit 2021-22 nicht mehr passiert, dem Jahr vor seinem ersten All-Star-Aufgebot.
Gilgeous-Alexander ist für seine Konstanz bekannt. Vier Saisons hintereinander über 30 Punkte im Schnitt bei besser als 50 Prozent Feldquote. Gegen San Antonio läuft es anders: 24,3 Punkte bei 37,9 Prozent. Nach der Niederlage sagte er, dass viele seiner Würfe sich gut anfühlen, einfach nicht fallen. Aber jetzt im Saisonfinale könne er nicht von seinen Prinzipien abweichen. Er müsse seinem Spiel vertrauen, auch wenn es gerade schmerzt.
San Antonio schockte Oklahoma City mit einem 20:0-Lauf im dritten Viertel und verwandelte das Spiel in einen Blowout. Der Thunder hatte nie in Führung gelegen. Eine halbe Stunde lang hielten sie sich bei sieben Punkten Rückstand, weil die Spurs erste Halbzeit insgesamt elf Dreier trafen. Danach war es vorbei. Spiel 7 findet am Samstag im Paycom Center statt.
Ballports-Take: Das ist die Situation, in der Charakter zählt. Gilgeous-Alexander hat gerade vier Spiele in Folge schlecht geschossen, was für einen Spieler seines Kalibers emotional brutal sein muss. Williams ist verletzt zurück, die Chemie ist nicht da. Für deutsche Fans, die OKC verfolgen, ist das wichtig: Ein Team, das von Superstars abhängt, das sind die kritischen Momente. Game 7 entscheidet, ob die Thunder die Finals erreichen oder ob San Antonio mit Wembanyama eine monumental große Überraschung schafft.