In einer Schulsporthalle auf San Antonios Westseite versammelten sich etwa 200 Menschen zu Game 7 der Western Conference Finals. Ein lokaler Autohändler hatte die Veranstaltung gesponsert, dazu gab es Enchiladas, Reis, Bohnen und Agua Fresca. Kinder hielten selbstgemalte Plakate in die Luft: MAKE SOME NOISE, GO SPURS GO, DE-FENSE. Die Halle brauste auf, wenn San Antonio angriffen, erstarb, wenn Oklahoma City den Ball hatte. Doch unter den Fans war auch eine andere Stimme zu hören, rhythmisch und beständig: Mary Help of Christians, pray for us. Mary Help of Christians, pray for us.
Dahinter steckten die Daughters of Mary Help of Christians, eine weltweite Kongregation mit über 10.000 Mitgliedern, gegründet im Italien des späten 19. Jahrhunderts. In San Antonio kennt man sie als Salesian Sisters of St. John Bosco, West Province. Sie sind die vermutlich devoutesten Spurs-Fans des Planeten, mit Verbindung zu dem Team seit fast 40 Jahren. Die Schwestern arbeiten mit benachteiligten Kindern in der Stadt, lernten deren Leidenschaft für die Spurs zu teilen und wurden dabei zu Symbolen entweder des Glücks oder vielleicht sogar der göttlichen Intervention während der Postseason.
Als die Spurs in die NBA Finals gegen die New York Knicks einzogen, erlangten die Schwestern unverhofft Aufmerksamkeit im Netz. Fotowünsche, Autogramm-Anfragen, Gebetsbitten häuften sich. Sister Bernadette Mota warnt vor Missverständnissen: Wir wollen keine Werbegimmick sein. Unser Leben ist Gott gewidmet. Wir arbeiten in einem armen Gebiet, unsere Schule kämpft ums Überleben. Die Unterstützung, die durch all diese Aufmerksamkeit kam, ist ein echter Segen für uns in diesem Moment.
Sister Sydney Moss kam 2013 zu den Spurs. Im Provincial House, wo 36 Schwestern leben, darunter 20 im Ruhestand, herrschte sofort Klartext: Wenn die Spurs noch spielen, bleibt der Fernseher an. Punkt. Moss saß neben Sister Angelita Guzman, einer langjährigen Fans die während der Spiele still betete. Sie hätte der Legende erzählt, sich auf den Korb zu setzen, damit die andere Mannschaft nicht trifft. In einem Zimmer einer Schwester fand Moss wenig persönliche Dinge, dafür jede Menge Spurs-Memorabilia, einschließlich eines Fotos mit Gregg Popovich. Nach dem vierten Titel 2007 besuchte Popovich, damals noch Trainer, das Provincial House mit einigen Spielern, sprach mit den Schwestern und ließ sich fotografieren.
Ballports-Take: Die Geschichte der Salesian Sisters zeigt Basketball als soziales Phänomen, das über Athletik hinausgeht. Für deutsche Fans ist das bemerkenswert, weil in der ELF und GFL solche Verbindungen zwischen Community und Team noch nicht selbstverständlich sind. Die Schwestern nutzen ihre neue Bekanntheit konkret für ihre Schulfinanzierung, nicht als Selbstvermarktung. Das macht sie zu einem Gegenpol zur modernen Social-Media-Logik im Sport. Wer den Spurs in den Finals verfolgt, bekommt quasi kostenlos eine Reportage über Glauben, lokales Engagement und die Frage, wie Sport tatsächlich zusammenbringt, was geographisch oft getrennt ist.