Die New York Jets stehen nach einer desaströsen Saison (3-14) vor einem Neuanfang. Coach Aaron Glenn kehrt in seine zweite Saison zurück, muss sich aber zahlreichen Fragen stellen. Die Offseason hat tiefgreifende Veränderungen gebracht: ein neuer Quarterback, neue Koordinatoren und ein völlig anderes Gesicht in der Defensive. Diese Woche starten die OTAs, zehn freiwillige Trainingseinheiten, gefolgt von einem Minicamp Mitte Juni.
Das erste große Rätsel dreht sich um die Offensive unter Geno Smith. Der 35-Jährige war vor drei Jahren noch Pro Bowler, doch die letzten zwei Saisonen waren verheerend: 32 Interceptions, ligaweit die meisten. Smith soll in Frank Reichs System aufblühen, der als neuer Offensive Coordinator von den Carolina Panthers kommt. Reich ist bekannt dafür, older quarterbacks erfolgreich einzusetzen.
Reiches Ankunft bringt auch neue Spielertypen ins Spiel. Die Jets haben vier Pass Catcher mit einer 40-Yard-Zeit von 4.4 Sekunden oder besser: die Receiver Garrett Wilson und Adonai Mitchell sowie die Neuzugänge Kenyon Sadiq (TE, erste Runde) und Omar Cooper Jr. (WR, erste Runde). Last Season schafften die Jets nur 40 explosive Plays mit 20-plus Yards, das war zweitschlechteste Wert der Liga. Mit mehr Speed sollte sich das ändern. Reich bevorzugt "11er"-Personal (1 RB, 1 TE, 3 WR) mit viel Shotgun und No-Huddle, doch mit drei starken Tight Ends (auch Mason Taylor und Jeremy Ruckert im Team) wird er wohl mehr "12er"-Personnel nutzen. "Alles wird darauf ausgelegt sein, das hervorzuheben, worin diese Spieler am besten sind", sagte Reich. Das bedeutet auch: Das Run Game soll weiterhin eine Säule sein, denn die Jets liefen vergangenes Jahr bereits solide.
Die zweite große Frage betrifft die Quarterback-Rotation. Die Jets haben keinen Veteran als Backup geholt, weil sie sehen wollen, was Rookie Cade Klubnik kann. Klubnik, vierte Runde, machte beim Rookie Camp gute Eindrücke, doch dort spielte er gegen größtenteils undrafted Free Agents und Tryout-Spieler. In den OTAs wird es härter. Die Jets haben sich mit mehreren Free Agents besprochen, unter anderem mit Russell Wilson, falls Klubnik nicht überzeugt.
Auch die Defensive wurde umgekrempelt. Mit neuem Defensive Coordinator und mehreren jungen Spielern steht ein kompletter Rebuild an. Die Draft Class wurde überall gelobt, besonders die drei Picks aus der ersten Runde. Edge Rusher David Bailey, insgesamt Pick 2, wird im Fokus stehen wenn die OTAs beginnen. Die kommenden Wochen werden zeigen, wie schnell diese Rookies gegen etablierte Veteranen mithalten können.
Eine weitere Besonderheit: Die Jets haben keinen einzigen primetime game auf dem Spielplan. Das sagt viel über die Wahrnehmung aus, die die NFL und die TV-Bosse derzeit von diesem Team haben. Ein Team, das sich komplett neu erfinden muss.
Ballports-Take: Für Geno Smith Fantasy-Owner könnte diese Offensive mit Reich interessant werden. Ein Coordinator, der ältere QBs wieder auflebt lässt, und vier explosive Pass Catcher sind gute Voraussetzungen. Allerdings: Smith muss seine Interception-Probleme lösen, sonst wird es schnell vorbei sein. Die starke Draft Class, besonders Bailey an Position 2, deutet auf einen längeren Rebuild hin. Wer die Jets verfolgt, sollte die OTAs genau beobachten. Wenn Bailey nicht dominiert, wird die Defense 2024 weiter leiden.