Cheryl Reeve hat einen neuen Meilenstein erreicht. Mit dem 86:80-Erfolg ihrer Minnesota Lynx gegen die Connecticut Sun am Mittwochabend in Uncasville holte sich die 55-Jährige den Rekord für die meisten Regular-Season-Siege in der WNBA-Geschichte. 380 Siege — eine Zahl, die alle bisherigen Marken übertrifft. Den alten Rekord hielt Mike Thibault, ehemaliger Trainer der Sun und der Washington Mystics.
Reeве hatte mit diesem Meilenstein selbst gar nicht im Fokus. Vor dem Spiel war sie von den vergangenen Tagen erschöpft, in denen ihre Hall-of-Fame-Aufnahme und die ganze mediale Aufmerksamkeit rund um den anstehenden Rekord sie belasteten. Im Locker Room nach dem Sieg aber ließ sie sich feiern, wie es sich gehört: Goldkonfetti regnete auf sie herab, sie tanzte mit den Spielerinnen zu "Yeah!" von Usher, während die Fans skandierten "Cher-yl, Cher-yl". Mit einem Glas Champagne in der Hand sagte Reeve später: "Ich schätze das unglaublich. Aber ich wollte einfach nur das Spiel gewinnen. Es ist nicht meine Art, so zu denken. Was mich freut ist, wie viel es den Spielerinnen bedeutet hat, den Moment zu feiern. Dass so viele Menschen, die seit so langer Zeit mit mir auf dieser Reise sind, ihn mit mir teilen konnten — das war unglaublich bedeutsam für mich."
Reeве steht seit 2010 an der Seitenlinie der Lynx und ist damit die am längsten kontinuierlich tätige Trainerin in der WNBA-Geschichte. In diesen 14 Jahren hat sie das Team zu vier Meisterschaften geführt: 2011, 2013, 2015 und 2017. Hinzu kommen Finals-Auftritte in 2012, 2016 und 2024. Ihre Bilanz mit Playoffs eingerechnet war bereits vor diesem Dienstag beeindruckend: 430 Siege insgesamt. Ihre Gewinnquote von 66,0 Prozent ist nur hinter Becky Hammon von den Las Vegas Aces übertroffen, die 72,9 Prozent aufweist.
Die Spielerinnen und sogar Gegnerinnen beschreiben Reeves Vermächtnis als etwas Seltenes in der Liga. Kayla McBride, Guard der Lynx, sagte über ihre Trainerin: "Es ist surreal. Der Standard, den sie setzt, ist wie eine verlorene Kunstform in unserer Liga. Und dass sie so lange bei einer Franchise geblieben ist, sagt viel aus. Ich bin überglücklich und stolz auf sie." Auch ehemalige Gegnerinnen sprechen mit Respekt von ihr. Elena Delle Donne, zweifache MVP, sagte bei ihrer Hall-of-Fame-Aufnahme im vergangenen Monat: "Cheryl war jemand, an den ich im Offseason viel gedacht habe, weil sie das Schlechteste in meinem Spiel zum Vorschein brachte und das, worin ich nicht gut war. Sie lässt dich nicht das tun, worin du gut bist — sie zwingt dich auf die nächste Stufe."
Für deutsche Basketball-Fans ist Reeves Rekord ein Lehrstück in Kontinuität und Exzellenz. In einer Liga, die ständig wechselt, hat eine Trainerin das Team über 14 Jahre geprägt und vier Titel geholt. Das ist nicht nur eine Statistik, das ist eine Ära. Für Fantasy-Basketball-Spieler könnte das auch bedeuten, dass die Lynx weiterhin ein stabiles, gut organisiertes Team bleibt — gute Nachricht für alle, die auf Minnesota-Spielerinnen setzen. Und für den europäischen Basketball insgesamt: ballports zeigt, was möglich ist, wenn eine Coach ihre Mannschaft wirklich kennt und nicht alle zwei Jahre wechselt.