Jacksonville Jaguars Headcoach Liam Coen hat kein Blatt vor den Mund genommen, als er die Probleme seiner Mannschaft analysierte. Die Saison 2025 endete zwar mit 13 Siegen und dem Titel in der AFC South, aber unter der Oberfläche brodelte es. Besonders im Laufspiel zeigte sich ein besorgniserregendes Muster: Während die Jaguars in den ersten zwölf Wochen noch 128,1 Rushing Yards pro Spiel auflegten, fiel dieser Wert in den letzten sechs Wochen auf 91,2 Yards ab. Auch beim Yards per Carry sank die Quote von 4,4 auf 3,3 Yards. Diese Inkonsistenz kann sich Jacksonville in der kommenden Saison nicht erlauben.
Coen betonte, dass die Balance zwischen Lauf- und Passspiel entscheidend ist, um auf das nächste Level zu gelangen. "Wenn wir mit der gleichen Mentalität in beiden Bereichen spielen, landen wir wieder dort, wo wir waren. Und das ist nicht gut genug", erklärte der Coach. Diese Aussage wiegt schwer, denn genau diese Unzuverlässigkeit im Ground Game könnte in den Playoffs teuer werden.
Die Neuausrichtung des Laufangriffs ist bereits in vollem Gange. Travis Etienne Jr., der mit 1.107 Rushing Yards der Topscorer der Saison war, wechselt zu den New Orleans Saints. Sein Ersatz Chris Rodriguez Jr. kommt von den Washington Commanders, wo er in drei Saisons 920 Yards und zehn Touchdowns erzielte. Rodriguez war allerdings den Großteil der Offseason verletzt und wird erst im Training Camp zur Verfügung stehen.
Darüber hinaus sollen die Rookies Bhayshul Tuten und LeQuint Allen Jr. ihre Rollen ausbauen. Tuten lief als Neuling für 307 Yards und fünf Touchdowns und fing zudem zehn Pässe für zwei weitere Scores. Allen spielte hauptsächlich in Passing-Situationen auf Third Down, weil er als bester Pass-Blocker der Gruppe auffiel. "Ich bin bereit dafür", sagte Tuten. "Meine Rolle könnte sich erheblich vergrößern, aber ich muss mich auf die Details konzentrieren und einfach schnell spielen." Allen ergänzte: "Ich freue mich, zu zeigen, dass ich überall auf dem Feld helfen kann."
Coen sieht das Backfield als Wettbewerb an. Neben Rodriguez, Tuten und Allen sind auch die Veteranen Ameer Abdullah und DeeJay Dallas sowie der Rookie J'Mari Taylor im Gespräch. "Es ist offen", sagte Coen. Die echten Bewertungen werden erst im Training Camp möglich sein, wenn 11-on-11 gegen den Pass und bei Tacklings gespielt wird. Coen vertraut dabei auf die Hidden Yards, also Rushing Yards over Expectation. Die Jaguars waren darin 2025 schwach und kamen auf nur 37 solcher Yards für die gesamte Saison. Das muss sich ändern.
Für deutsche Football-Fans ist das Jacksonville Laufspiel bislang weniger ein Thema als der Schlagabtausch zwischen Jaguars und Ravens oder die europäischen Spiele. Aber wer die AFC South beobachtet, sollte diese Umbruchphase im Backfield im Auge behalten. Wenn Rodriguez fit wird und Coen die Rookies richtig einsetzt, könnte Jacksonville wieder zu einem Ground-Game-Team werden. Tuten und Allen könnten Fantasy-relevant werden, falls sie zu Touchdown-Maschinen reifen. Das ist aber noch nicht sicher.