Malik Willis warf den Ball präzise über die Mittellinie des Feldes. Zwei Verteidiger standen im Weg, doch der Pass des neuen Dolphins-Quarterbacks fädelte sich durch und landete 40 Yards entfernt in den Händen eines Tight Ends. Ben Sims schnappte sich den Touchdown-Pass, und Greg Dulcich, ein anderer Tight End im Team, war begeistert. Willis zeige großartige Armstärke und Feldübersicht, sagte Dulcich. Es war die längste Completion, die Willis in offenen Dolphins-Trainings geworfen hatte. Das Problem: Es war kein Wide Receiver, der den Ball fing.
Willis kam im Frühjahr als Free Agent zu Miami und soll die Dolphins als neuer Franchise-Quarterback führen. Doch noch immer stimmt die Chemie zwischen ihm und seinen Receivern nicht. Das liegt auch daran, dass Miami die Wide-Receiver-Gruppe komplett umgekrempelt hat. Im Februar trennten sich die Dolphins von All-Pro Tyreek Hill, im März folgte der Trade von Jaylen Waddle zu den Denver Broncos. Damit war die Receiver-Room plötzlich dünn besetzt und ohne echte Stars.
Miami griff dann zu. Jalen Tolbert kam als Free Agent, Tutu Atwell ebenfalls. Im Draft holten die Dolphins Caleb Douglas und Chris Bell, um neue Konkurrenz und Energie ins Receiver-Spiel zu bringen. Doch während der Offseason-Trainings und des Minicamps zeigte sich schnell: Kein echter Leader hat sich durchgesetzt. Das war aber auch gar nicht das Ziel von Trainer Jeff Hafley in dieser Phase. Nach sechs Trainingssessions mit begrenztem Einsatzvolumen brauche es einfach Zeit, erklärte Hafley Anfang Juni. "Ich denke, das ist ein Work in Progress. Es wird sich verbessern, braucht aber viele Wiederholungen, genau wie bei jedem neuen Quarterback und jeder neuen Receiver-Gruppe."
Eine Ausnahme im Umbruch ist Malik Washington, ein dritter Jahr im Team und einer der wenigen Spieler aus dem alten Regime. Hafley war begeistert von Washingtons Entwicklung, besonders im Slot und beim Catch-and-Run. Tolbert, der 2024 bei den Dallas Cowboys 49 Pässe für 610 Yards und sieben Touchdowns gefangen hatte, kann flexibel eingesetzt werden und bringt spezialisierte Skills mit. Auch Atwell hat sich als Spezialist etabliert. Hafley erwartet, dass die echten Fortschritte im Training Camp sichtbar werden, wenn das echte Football anfängt.
Die Situation der Dolphins ist für deutsche Fans interessant, die Willis verfolgen, da der Quarterback eine echte Chance bekommt, sich als Starter zu bewähren. Das Receiver-Problem ist aber real: Ohne etablierte Nummer eins braucht Willis länger, um sein volles Potenzial auszuschöpfen. In Fantasy Football sollten Tolbert und Washington im Auge behalten werden, sobald die Chemie mit Willis wächst. Die nächsten Wochen Training Camp sind entscheidend, um zu sehen, wer tatsächlich zur Nummer eins heranwächst.