Cavaliers nach LeBron-Ära: Aufbau gelungen, Fragen bleiben
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Cavaliers nach LeBron-Ära: Aufbau gelungen, Fragen bleiben

Die Cavaliers sitzen nach einem verstörenden Kollaps in Game 1 der Eastern Conference Finals in der Visitors Locker Room des Madison Square Garden und verarbeiten, was gerade passiert ist. Cleveland hatte die New York Knicks mit 22 Punkten geführt, weniger als acht Minuten vor Spielende im vierten Viertel. Am Ende verlor das Team 115-104 nach Overtime. Eine beispiellose 44-11-Serie der Knicks wendete das Spiel und zerstörte Clevelands Traum von einem upset zum Serienauftakt.

Das war keine gewöhnliche Niederlage. Die Cavs hatten in dieser Saison noch nie eine 20-Punkte-Führung hergegeben, jetzt mussten sie ausgerechnet in den Playoffs erleben, dass genau das geschieht. Platz zwei in der Historie der größten Fourth-Quarter-Collapses in den NBA-Playoffs, nur übertroffen von Memphis gegen die Clippers 2012, die einen 24-Punkte-Vorsprung aufgaben. Aber für Cleveland ist das Scheitern Teil eines größeren Musters geworden. Nach zwei Jahrzehnten der LeBron-James-Ära mussten die Cavs sich vollständig rekonstruieren. Der Weg zurück an die Spitze war steinig: Sieben Spiele gegen Toronto in der ersten Runde, sieben gegen Detroit in der zweiten, obwohl man 3-2 führte und Game 6 zu Hause spielte.

Donovan Mitchell, der Star, der Cleveland zurück zu Conference Finals geführt hat wie kein anderer seit James selbst, nimmt die Belastung mit einer Seelenruhe hin, die überraschend wirkt. Der 29-Jährige hat sieben All-Star-Titel und immer noch keinen Ring. Im Interview mit ESPN sagte er: "Es war den Aufwand wert. Ich würde es sofort nochmal tun mit dieser Gruppe." Mitchell spricht von einem Vergnügen, das es sonst nicht gibt, von Höhen und Tiefen ohne die übliche Frustration. Die Geduld, die Koby Altman als President of Basketball Operations in diesem fast Jahrzehnt währenden Aufbau bewiesen hat, findet in Mitchell einen Echo-Punkt.

Doch jetzt stellt sich die unbequeme Frage: Wie lange hält diese Geduld, wenn es nicht klappt? Kurz vor Game 1 war die Nachricht durchgesickert, dass Jason Kidd beim Dallas Mavericks rausflog. Zwei Jahre zuvor hatte Kidd die Mavs zu den Finals geführt, die erste Chance seit 2011. Jetzt arbeitslos. Das ist die Realität in diesem Business. Die Cavs sind nicht einfach nur eine gute Story eines Underdogs-Teams, das sich zurückkämpft. Sie sind ein Team unter Druck, weil die Zahlen widersprechen der Erzählung.

Über vier Saisons hinweg hat Cleveland die dritthöchste Regular-Season-Siegquote der Liga. Aber in den Playoffs? Nur Platz sechs in der Gesamtbilanz. Es ist eine Diskrepanz, die nicht ignoriert werden kann. Der 17-16-Start in diese Saison war ein Zeichen, dass nichts garantiert ist. Die Euphorie von 2016 ist lange weg. Das Team weiß, dass die nächsten Wochen entscheidend sind.

Ballports-Take: Für deutsche Basketball-Fans ist das eine wichtige Entwicklung, weil die Cavs zeigen, wie lange ein Rebuild dauern kann und wie prekär die Situation bleibt, wenn die Playoff-Performance nicht der Regular-Season folgt. Mitchell ist für Fantasy-Verfolger weiterhin Gold wert, aber sein Wert hängt jetzt davon ab, ob dieses Team durchkommen kann oder nach einem Early Exit wieder fragwürdig wird. Der Druck auf Altman ist real, und wenn Cleveland scheitert, müssen Köpfe rollen. Das ist kein Drama mehr, das ist Geschäft.

Originalquelle: ESPN / NBAOriginal lesen →
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