Die LA Clippers und Toronto Raptors führen ernsthafte Verhandlungen über einen Trade für Kawhi Leonard. Nach Informationen von ESPN haben die beiden Franchises in den letzten Wochen konkret über einen Deal gesprochen. Leonards Vertreter signalisierten anderen Teams bereits, dass er nur dann eine Vertragsverlängerung bei den Raptors unterzeichnen würde, falls die Clippers ihn nicht halten wollen.
Leonard hätte eigentlich lieber bei den Clippers bleiben wollen. Das Franchise machte ihm in diesem Offseason jedoch keine langfristigen Zusagen. Bei den Clippers läuft sein Vertrag nur noch bis zur Saison 2026-27, mit einem Gehalt von 50,3 Millionen Dollar. Ein Trade würde die Rückkehr des Superstars nach Kanada bedeuten, wo er 2019 die Raptors zum NBA-Titel führte und Finals MVP wurde. In dieser Serie erzielte er im Durchschnitt 28,5 Punkte pro Spiel und besiegte die Golden State Warriors.
Seinen einzigen Saisonein Toronto spielte Leonard nach seinem Transfer von den San Antonio Spurs im Juli 2018. Nach der Championship-Saison verließ er die Raptors als Free Agent und wechselte zu den Clippers. Jetzt wird der zweimalige Finals MVP, der am Montag 35 Jahre alt wird, möglicherweise zu seinen Wurzeln zurückkehren. Bei den Clippers absolvierte er zuletzt eine beeindruckende Saison und erzielte 27,9 Punkte im Durchschnitt. Er spielte 65 Regular-Season-Spiele, was erst seine zweite Saison mit mindestens 60 Einsätzen seit Toronto war. Im MVP-Voting landete Leonard auf Platz sieben und wurde ins All-NBA-Team zweiter Stufe gewählt. Das war bereits seine vierte All-NBA-Auszeichnung in Los Angeles.
Doch sportlich lief es für die Clippers nicht nach Plan. Sie beendeten die Saison mit einer 42-40-Bilanz und schieden in der Play-in-Tournament gegen die Golden State Warriors aus. Diese Entwicklung steht im Kontrast zu den Aussagen von Lawrence Frank, dem President of Basketball Operations der Clippers. Im April sagte Frank bei seiner Pressekonferenz am Ende der Saison deutlich: "Unser Plan ist, mit Kawhi zu gewinnen. Wir haben als Organisation gezeigt, dass wir gewinnen wollen. Zur passenden Zeit werden wir uns mit Kawhi hinsetzen und wie 2024 unseren Plan darstellen. Wenn unsere Ziele übereinstimmen, möchten wir mit Kawhi gewinnen."
Die Clippers befinden sich zudem in einer NBA-Untersuchung. Der Liga geht es darum, ob das Franchise die Salary Cap umgangen hat, indem es Geld an Leonard über einen 28-Millionen-Dollar-Endorsement-Deal mit dem Fintech-Unternehmen Aspiration channelte. Aspiration hatte zugleich einen 300-Millionen-Dollar-Sponsorvertrag über 23 Jahre mit den Clippers. Owner Steve Ballmer, der 60 Millionen Dollar in Aspiration investiert hat, bestreitet, von Leonards Deal gewusst zu haben. Leonard und sein Onkel Dennis Robertson, sein Geschäftsberater, wurden bereits von Ermittlern vernommen.
Für die Raptors wäre ein Trade für Leonard ein Versuch, wieder in die Top-Tier der Eastern Conference zurückzukehren. Seit Leonards Abgang 2019 haben die Raptors nur eine Playoff-Serie gewonnen. In der vergangenen Saison landeten sie auf Platz fünf in der Eastern Conference mit einer 40-36-Bilanz, verloren dann aber in der ersten Playoff-Runde in sieben Spielen gegen die Cleveland Cavaliers.
Ein Trade von Leonard zu den Raptors würde die DACH-Basketball-Szene aufhorchen lassen, zumal Leonard einer der wenigen NBA-Stars ist, die auch international noch regelmäßig im Fokus stehen. Für Fantasy-Basketball-Spieler in Deutschland, Österreich und der Schweiz ergäbe sich eine völlig neue Bewertung: Leonards Scoring in Toronto könnte höher ausfallen als bei den Clippers, falls er wieder die Primary-Option wird. Gleichzeitig müssten Fantasy-Manager aber prüfen, ob die Raptors genug Talent um ihn herum haben, um echte Contender zu sein. Die nächsten Wochen entscheiden, ob Leonard tatsächlich zu dem Team zurückkehrt, das seine größte NBA-Glorie gebracht hat.