Die erste Spielmonatsphase der WNBA-Saison 2026 liefert bereits Überraschungen und bestätigt etablierte Kräfte. Die Minnesota Lynx stehen mit einer 7-2-Bilanz an der Spitze und haben dabei erhebliche personelle Umbrüche verkraftet. Die Franchise musste sich im Frontcourt neu erfinden, weil Napheesa Collier verletzungsbedingt ausfällt und die Free Agents Alanna Smith sowie Jessica Shepard das Team verließen. Hinzu kommt, dass der Franchise eine Rookie-Point-Guard namens Olivia Miles vertraut, die bereits zeigt, dass sie für diese Aufgabe bereit ist. Trotz dieser Unwägbarkeiten führt Minnesota die Liga an und ist gerade in einer Fünf-Spiele-Serie ungeschlagen.
Die Arbeit im Hintergrund beeindruckt dabei besonders. Natasha Howard, im zweiten Stint bei den Lynx, ersetzt Collier mit durchschnittlich 16,6 Punkten und 7,7 Rebounds pro Spiel. Nia Coffey, ebenfalls eine Free-Agent-Verpflichtung, liefert mit 9,9 Punkten und 5,9 Rebounds beide Karrierebestwerte ab. An der Außenseite läuft die Offense reibungslos: Courtney Williams spielt im dritten Jahr bei Minnesota und gönnt sich einen Karrieredurchschnitt von 17,8 Punkten, 5,2 Rebounds und 4,1 Assists. Kayla McBride, mittlerweile im 13. WNBA-Jahr und sechstem bei den Lynx, sorgt als erfahrene Kraft für Stabilität und durchschnittlich 13,2 Punkte. Trainerin Cheryl Reeve, die längst dienende Coach der Liga, versteht es offensichtlich ausgezeichnet, sowohl Miles' Ruhe als auch Williams' vielfältige Fähigkeiten in den Spielaufbau zu integrieren.
Portlands Erfolgsgeschichte ist mindestens genauso bemerkenswert. Die Fire, eines von zwei neuen Franchises in dieser Saison, stehen mit 6-5 derzeit an achter Position und nur zwei Siege hinter Minnesota. GM Vanja Černivec, der die Golden State Valkyries bei deren Gründung 2025 mitaufgebaut hat, setzt denselben Playbook um: Das Roster besteht aus Spielerinnen, die bislang unter dem Radar flogen und nun die Chance bekommen, ihre Qualität zu demonstrieren. Carla Leite führt Portland mit 15,2 Punkten pro Spiel an. Bridget Carleton, die voriges Jahr durchschnittlich unter sieben Punkte für Minnesota warf, bringt jetzt 14,7 Zähler pro Nacht mit. Gustafson und Sarah Ashlee Barker kombinieren für 20,6 Punkte, beide profitieren davon, dass Expansion Teams ihnen Raum für Entwicklung geben.
Woanderswo geben sich etablierte Teams schwerer als erwartet. Die Las Vegas Aces, Titelverteidiger, starteten furchtbar mit einer 99-66-Niederlage gegen Phoenix, aber der 6-3-Record seit Mai zeigt, dass die Dominanz zurück ist. Phoenix Mercury hingegen hat die schlechtesten Noten der Liga verdient: Auf den überraschenden 99-66-Sieg gegen Las Vegas folgte ein desaströses 2-8 seit dem 9. Mai. Die Toronto Tempo, ebenfalls Expansion Team in 2026, schafften es knapp über .500 mit 5-4, verloren dann aber gegen New York und fielen auf .500 zurück.
Ballports-Take: Für deutsche Fans ist die WNBA traditionell weniger im Fokus als NBA oder EuroLeague, aber diese Saison zeigt ein interessantes Phänomen: Neue Teams und unerwartete Aufsteiger dominieren früh. Das ähnelt Mustern, die wir aus Europas Topligen kennen, wenn neue oder verstärkte Clubs alte Hierarchien aufbrechen. Minnesota bleibt das Maßstab-Team, aber Portland und Toronto beweisen, dass strukturelles Aufbau-Handwerk gegen Raw-Athletik gewinnen kann. Der Fakt, dass Expansion Teams nicht scheitern, sondern konkurrieren, macht die Liga offener und weniger vorhersehbar.