Die Connecticut Sun verlassen nach mehr als zwei Jahrzehnten die Ostküste. Der NBA- und WNBA-Board haben die Übernahme und Verlagerung der Franchise durch Tilman J. Fertitta, Eigentümer der Houston Rockets, einstimmig genehmigt. Das wurde am Mittwoch offiziell bekannt gegeben, nachdem sich die Parteien bereits im März auf einen Deal geeinigt hatten. Die Verhandlungen waren im Dezember erstmals öffentlich geworden.
Die Sun spielen die restliche Saison 2026 noch in Connecticut. Das bedeutet zwei Spiele in der PeoplesBank Arena in Hartford und mindestens ein weiteres im TD Garden in Boston, bevor die Franchise zum Start der Saison 2027 nach Houston wechselt. Das ist das letzte Kapitel einer bemerkenswerten Geschichte. Seit 2003 gehörte das Team dem Mohegan Tribe, der damals die Orlando Miracle nach Uncasville holte. Der Stamm war damit der erste Non-NBA-Eigentümer in der Liga und der erste Native American Tribe, der ein professionelles Sportfranchise besaß.
Sun-Präsidentin Jen Rizzotti betonte vor dem Spiel gegen die Las Vegas Aces am Mittwochabend, dass der Fokus jetzt auf der laufenden Saison liegt. Der letzte Sommer in Connecticut soll für Spieler und Personal etwas Besonderes werden. "Unsere Fans verdienen das. Unsere Aufgabe ist es, großartiges Basketball zu zeigen, aber auch dafür zu sorgen, dass die letzte Zeit in dieser Arena unvergesslich wird", sagte Rizzotti. Sie bestätigte auch, dass erste Gespräche mit Houston-Personal stattgefunden haben, größere strategische Entscheidungen für die Saison 2026 trafen aber noch sie und General Manager Morgan Tuck allein.
Die Übernahme wird Fertitta etwa 300 Millionen Dollar kosten, einen Rekordpreis für ein WNBA-Team. Überraschend: Keine Umzugsgebühr fällt an. Die Transaktion gilt als bald abgeschlossen, konnte aber erst ohne offizielle Genehmigung nicht vollzogen werden. Ein weiteres Zeichen für Houstons Ambitionen ist die Verpflichtung von Kevin Pelton als Assistant General Manager und Vice President of Analytics. Der ehemalige ESPN-NBA-Reporter soll den neuen Franchise beim Aufbau helfen.
Rizzotti signalisierte, dass Personal der Sun, das mit nach Houston möchte, willkommen sein wird. Formelle Gespräche darüber sind für die kommenden Monate geplant. Fertitta reiht sich damit in eine Trend ein: NBA-Eigentümer kaufen vermehrt WNBA-Teams. Die drei kommenden Expansion-Franchises in Cleveland, Detroit und Philadelphia haben alle NBA-Eigentümer als Backing.
Ballports-Take: Für deutsche Basketball-Fans ein wichtiger Moment im WNBA-Wachstum. Houston erhält mit Fertitta einen wohlhabenden Eigentümer, der die Ressourcen hat, ein Topteam aufzubauen. Das ist die klassische NBA-Strategie, die jetzt in der WNBA Schule macht. Die letzte Saison in Connecticut wird emotional für Fans und Team sein, aber Houstons Basketball-Infrastruktur verspricht der Franchise langfristig deutlich bessere Chancen. Ein Signal: Independent-Eigentümer in der WNBA zu sein, wird immer schwieriger.