SEATTLE - Die Seahawks haben sich in diesem Offseason viel vorgenommen. Der NFL-Spielplan steht, das freiwillige Offseason-Programm läuft auf Hochtouren, und in wenigen Wochen beginnt das Mandatory Minicamp. Bei den Seahawks passiert da gerade einiges, und nicht alles verläuft nach Plan.
Als die Seahawks ihren Star-Receiver Jaxon Smith-Njigba im März mit einer vierjährigen Verlängerung über 168,6 Millionen Dollar ausstatteten, war das nicht einfach nur wegen der Summe bemerkenswert. Es war das größte Vertragswerk der Franchise-Geschichte, und es kam zusammen wie aus dem Nichts. Die Verhandlungen waren so schnell und reibungslos, dass Medienberichte erst nach der offiziellen Ankündigung bekannt wurden.
Danach wendeten sich die Seahawks ihrer nächsten großen Aufgabe zu: Eine Verlängerung für Cornerback Devon Witherspoon. Der dreifache Pro Bowl-Spieler war einer der Helden ihres Super Bowl LX-Sieges. Doch während Smith-Njigba-Deal geschmiert lief, stockt es bei Witherspoon deutlich. Die Seahawks machten vor mehreren Wochen ein erstes Angebot, doch seitdem bewegt sich wenig. Die beiden Seiten scheinen noch weit auseinander zu liegen.
In Liga-Kreisen spekuliert man, ob die zögerlichen Verhandlungen damit zu tun haben könnten, dass Witherspoon wie Christian Gonzalez, der Star-Corner der New England Patriots, von der gleichen Agentur (WIN Sports Group) vertreten wird. Wenn Gonzalez gerade hart mit New England um seinen Deal ringer, könnte das Auswirkungen auf Witherspoons Verhandlungen haben. Zeitdruck besteht für Seattle aber nicht. Witherspoon hat noch zwei Jahre seines Rookie-Vertrags vor sich. Historisch finalisieren die Seahawks ihre Extensions für etablierte Spieler während des Training Camps, das noch zwei Monate entfernt ist.
In der Zwischenzeit zeigte sich Witherspoon bei den freiwilligen Offseason-Workouts. Fotos auf der Website der Seahawks zeigen ihn lächelnd beim Training. Er war sogar unter denjenigen, die früher als erwartet auftauchten. Das spricht dafür, dass die fehlende Extension ihn nicht demotiviert.
Ein anderes Personalpuzzle könnte die Seahawks treffen. Nolan Teasley, der stellvertretende General Manager und seit 2013 im Scouting der Seahawks tätig, wurde von den Minnesota Vikings zu einem zweiten Interview für deren GM-Posten eingeladen. Das bestätigte ESPN. Teasley ist eine Minderheitskandidat, was bedeutet, dass Seattle nach der NFL Rooney Rule zwei Compensatory Picks in der dritten Runde in den nächsten zwei Drafts erhält, falls er angestellt wird. Für GM John Schneider wäre das immerhin ein kleiner Trost, einen seiner vertrautesten Personalmitarbeiter zu verlieren.
Die Anwesenheit beim freiwilligen Programm ist ohnehin beeindruckend. Im Vorjahr kamen alle Spieler zu mindestens einer OTA, die meisten zu allen. Spieler und Trainer schrieben damals die starke Teilnahme mit als Grund für ihren Meisterschaftslauf auf. 2026 wiederholt sich das Bild. Head Coach Mike Macdonald staffelte die Offseason bewusst, um seinen Spielern nach der langen Saison bis ins Februar flexiblere Optionen zu geben. Veteranen und Spieler mit großem Einsatz im letzten Jahr konnten die ersten zwei Wochen remote trainieren, bevor sie zur zweiten Phase hinzustoßen sollten. Macdonald war angenehm überrascht, dass mehrere dieser Spieler schon viel früher ins Team-Facility kamen.
Ballports-Take: Die Witherspoon-Situation zeigt, dass auch bei erfolgreichsten Franchises nicht alles glatt läuft. Für Fantasy-Football-Spieler in der DACH-Region ist Witherspoon trotzdem ein sicherer Wert, sein defensives Output wird sich nicht dramatisch ändern, ob mit oder ohne neue Extension. Spannender ist die Frage, ob die Seahawks ohne Teasley im Scouting ihre Erfolgsspur halten können. Der starke Auftritt beim Offseason-Programm deutet aber darauf hin, dass die Meister-Mentalität nach dem Super Bowl LX intakt bleibt.