Die Chicago Bears hatten sich für den Offseason 2026 ein klares Ziel gesetzt: Die Pass Rush verbessern. Das war die größte Schwachstelle der Saison zuvor, und es war offensichtlich. Mit nur 29 Prozent Pass Rush Win Rate rangierte die Defense auf Platz 31 der NFL, bei der Druck-Quote waren es 28 Prozent auf Platz 29. Logisch also, dass die Bears nach mehr Talent suchten.
Maxx Crosby, fünffacher Pro Bowler und eine der besten Defensive Ends der Liga, stand auf dem Wunschzettel. Doch als die Bears erfuhren, was ein Trade kosten würde, ließen sie schnell davon ab. Im Draft hatten sie sieben Picks zur Verfügung, doch sie nutzten nur einen einzigen für die Defensive Line. Georgia Tech Defensive Tackle Jordan van den Berg war es, ausgewählt an Position 213.
Dann kam die Kehrtwende. Statt mehr Talente zu holen, beschlossen die Bears, ihre bestehenden Spieler besser zu coachen. Head Coach Ben Johnson war deutlich: "Wir werden definitiv besser coachen als im vergangenen Jahr. Das ist der Anfang." Defensive Coordinator Dennis Allen machte sich selbst zum Teil des Problems. "Wir haben viel darüber diskutiert, und eines der Dinge, die wir identifiziert haben, war ich selbst", sagte Allen. "Im letzten Jahr haben wir so viel Energie darauf verwendet, das neue Schema zu installieren, dass wir die Fundamentals aus den Augen verloren haben."
Das ist kein Kleinigkeit. Die Bears hatten im Offseason 2025 ein komplett neues Defensive System eingeführt, und der Fokus lag komplett darauf, die Spieler in das Schema zu drücken. Deshalb beschloss Allen für 2026 einen anderen Weg: Die ersten zwei Wochen des Offseasons konzentrierten sich nicht auf Scheme-Installation, sondern rein auf Technik.
Defensive Line Coach Jeremy Garrett sagte, er könne sich nicht erinnern, wann er das mal so erlebt hatte. Kein Talk über spezifische Fronts, kein Gezerre über Positionen. Alles war auf drei Dinge ausgerichtet: Get-Off (die Fähigkeit, explosiv vom dominanten Bein anzufahren), Body Lean (die richtige Körperposition beim Ansturm) und das Finish im Backfield. "Du schaust bei den Trainings hin und siehst die Verbesserung", sagte Garrett. "Zwei Wochen lang schaue ich nur auf den Einzelnen. Nicht auf das Schema. Auf den Get-Off, die Pad Level, die Drillwork."
Die Zahlen unterstützen Allens Theorie. Als die Bears mit vier oder weniger Pass Rushern angriffen (72 Prozent der Spielzüge), hatten sie 5 Prozent Sack Percentage (Platz 23) und 24 Prozent Druck (Platz 30). Das war schlecht. Als sie fünf oder mehr schickten, verbesserte es sich marginal: 8 Prozent Sacks (Platz 14), aber die Pass Rush Win Rate stieg auf 43 Prozent. Trotzdem: Die Bears blitzten auf 28 Prozent der gegnerischen Dropbacks (12. höchste Quote der NFL) und kamen dennoch nicht genug zum Quarterback. Von ihren 35 Sacks in der gesamten Saison (nur sechs Teams hatten weniger) kamen 13 durch Blitz-Situationen.
Ballports-Take: Für deutsche Bears-Fans ist das eine interessante Kurve: Der Fokus liegt nicht auf großen Namen oder millionenschweren Trades, sondern auf Handwerk. Montez Sweat bleibt die Säule, und wenn Dennis Allen es schafft, die Fundamentals wirklich zu schärfen, könnte die gleiche Unit deutlich effektiver werden. Das ist riskant, weil es bedeutet, dass die Bears glauben, dass das Problem primär im Coaching lag, nicht im Talent. Sollte die Pass Rush 2026 immer noch straucheln, wird diese Theorie schnell zur Kritik führen.