Cowboys setzen auf Breite statt auf einen Star-Pass-Rusher
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Cowboys setzen auf Breite statt auf einen Star-Pass-Rusher

Die Dallas Cowboys haben sich bewusst gegen die Jagd nach einem einzelnen Elite-Edge-Rusher entschieden. Das wurde besonders deutlich, als Myles Garrett von den Cleveland Browns zu den Los Angeles Rams traded wurde. Garrett hatte 2025 mit 23 Sacks einen NFL-Rekord aufgestellt und sollte die Rams, die es bis zum NFC Championship Game geschafft hatten, noch stärker machen. Für Dallas bedeutete das eine zusätzliche Hürde auf dem Weg zum Super Bowl. Die Dimension des Problems wird klar, wenn man die Zahlen vergleicht: Garretts 23 Sacks waren mehr als die kombinierten Sacks der sechs besten Edge-Rusher der Cowboys 2025.

Dallas hat sich stattdessen für einen anderen Weg entschieden. Rashan Gary, den sie im Offseason von den Green Bay Packers holten, brachte 7.5 Sacks mit, verschwand dann aber in den letzten neun Spielen völlig von der Bildfläche. Donovan Ezeiruaku, der Second-Round-Pick von 2025, sammelte zwei Sacks in seiner Rookie-Saison. James Houston, der kurz vor dem Training Camp hinzukam, schaffte 5.5. Sam Williams und Marist Liufau hatten je einen. Und Malachi Lawrence, Pick 23, galt als Senior bei Central Florida noch nicht als First-Round-Material. Das ist eine drastische Abkehr von Cowboys-Tradition: Die Super-Bowl-Teams der 90er Jahre hatten Charles Haley in der Hall of Fame, Jethro Pugh und Harvey Martin. Später wurde DeMarcus Ware zur Franchiselegende. Und Micah Parsons, der vor seiner Trade zu den Packers vier Jahre hintereinander mindestens 12 Sacks pro Saison hatte.

Aber Defensive Coordinator Christian Parker kommt mit einer anderen Philosophie zu den Cowboys. Er war zuletzt zwei Saisons bei den Philadelphia Eagles, wo die Defense keinen Star-Pass-Rusher brauchte. 2025 führte Jalyx Hunt mit 6.5 Sacks, aber zwei weitere hatten mindestens 4.5, fünf weitere mindestens drei. 2024 war Josh Sweat mit acht Sacks die Nummer eins, doch vier andere kamen auf mindestens 4.5. Auch in Parkers drei Jahren bei den Denver Broncos hatte kein Defenseman mehr als 8.5 Sacks, aber jede Saison hatten vier Spieler mindestens 4.5.

Headcoach Brian Schottenheimer fasst die Strategie so zusammen: "Einige der besten Pass-Rushing-Teams, gegen die wir gespielt haben, hatten nicht unbedingt einen Typen. Es ist leichter, einen Spieler abzuschalten. Einen Elite-Spieler kannst du mit viel Aufmerksamkeit decken." Die Seattle Seahawks, die den Super Bowl gewannen, hatten drei Spieler mit je sieben Sacks. Die New England Patriots, die sie schlugen, setzten auf Harold Landry III mit 8.5 Sacks. Rashan Gary, den Schottenheimer einen "grown-ass man" nennt, ist der beste Edge-Rusher im Kader. Nach sieben Jahren ohne Double-Digit-Saison hatte er in fünf Saisons mindestens sechs Sacks, 2021 sogar 9.5. Gary selbst ist sich seiner Rolle bewusst: "Das Film-Material spricht für sich, aber Mann, ich bin ein Hund. Ich spiele mit viel Effort, verursache viel Druck. Ich glaube nicht, dass jemand gerne gegen mich antreten will, also bringe ich die gleiche Energie und Mentalität mit."

Ballports-Take: Für deutsche Football-Fans ist das ein faszinierender Gegenpol zur Star-Power-Strategie anderer Teams. Die Cowboys beweisen, dass eine NFL-Defense nicht von einer einzelnen Hall-of-Famer-Figur abhängen muss, sondern von systematischer Tiefe. Wie gut das funktioniert, wird sich zeigen wenn die Defense unter echtem Druck steht. Gary ist der Name zum Beobachten, aber auch Ezeiruaku könnte als Rookie-Edge-Rusher interessant für Fantasy-Spieler werden, falls er seine Zahl im neuen System erhöht. Das ist ein Risiko-Experiment der Cowboys, keine garantierte Lösung.

Originalquelle: ESPN / NFLOriginal lesen →
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