Sechs Spieler mit nigerianischen Wurzeln wurden diese Woche beim NBA Draft 2026 in der Barclays Center ausgewählt. Das ist die zweitbeste Bilanz für Spieler nigerianischer Herkunft in einer einzigen Draft-Klasse. Nur 2020 war es besser, damals wurden neun Spieler gezogen. Dieses Mal kamen zwei aus der ersten Runde, was erst zum vierten Mal in der Geschichte vorkommt und zum ersten Mal seit 2020.
Ebuka Okorie von Stanford war der erste, dessen Name aufgerufen wurde. Der Guard ging an 17. Stelle an die Oklahoma City Thunder, wurde aber sofort zu den Detroit Pistons getradet. Detroit gab Pick 21 und drei Future-Second-Round-Picks ab, um hochzuziehen und ihn zu holen. Okorie hatte an Stanford eine explosive Freshman-Saison hingelegt: 23,2 Punkte, 3,6 Assists und 3,6 Rebounds bei 46,5 Prozent aus dem Feld und 35,4 Prozent von der Drei-Punkte-Linie. Er führte die ACC in Scoring an und rangierte landesweit auf Platz sieben. Mit 719 Punkten erzielte er die zweitmeisten eines Freshman in Stanfords Geschichte. Dreimal brach er den Single-Game-Scoring-Record der Universität, Höhepunkt war ein 40-Punkte-Spiel gegen Georgia Tech mit 12 erfolgreichen Würfen aus 21 Versuchen.
Trajan Langdon, Präsident der Basketball Operations der Pistons, machte keinen Hehl aus seiner Begeisterung: "Super excited about Ebuka. I've watched him for a while, and then he just exploded onto the scene." Okorie, aufgewachsen in Nashua, New Hampshire, bei nigerianischen Eltern, beschrieb den Moment als überwältigend. "A lot of emotions, just grateful for this opportunity", sagte er. "I am not going to take this for granted. I'm going to keep working every day. I feel like playing alongside Cade [Cunningham], I'll just be another playmaker on the floor."
Sechs Picks später folgte Zuby Ejiofor von St. John's. Der Forward ging an 23. Position zu den Atlanta Hawks. Damit endete ein langer Dürreperiode für sein Programm: Ejiofor ist St. Johns erster NBA-Draft-Pick seit 2015 und der erste First-Rounder seit 2012. Der Senior kam auf 16,3 Punkte, 7,3 Rebounds, 3,5 Assists, 2,1 Blocks und 1,2 Steals bei 53,6 Prozent Feldquote. Diese Zahlen brachten ihm alle drei Big-East-Auszeichnungen ein: Player of the Year, Defensive Player of the Year und Scholar-Athlete of the Year. Zuletzt gelang dieses Kunststück 2004 einem anderen nigerianischen Spieler: Emeka Okafor. Ejiofor fiel durch seine 7-Fuß-2-Spannweite und ein Assist-zu-Turnover-Verhältnis von 1,68 aus der Post auf. Bemerkenswert: Die Hawks zogen ihn ohne Pre-Draft-Workout.
Ejiofor, geboren in Dallas bei nigerianischen Eltern, verfolgte die Auswahl bei einer Familienfeier in Garland, Texas. "Overwhelming tears of joy, excitement, and it just felt like a weight off my shoulders", beschrieb er die Gefühle. "It's like a dream come true. One of those things, is this really happening moment?" Auf die Frage, welcher Spielertyp die Hawks bekommen, antwortete er: "A player that is willing to do it all on both sides of the ball."
In der zweiten Runde folgten vier weitere Spieler. Otega Oweh, Guard aus Kentucky, wurde an 41. Position von Miami Heat ausgewählt, bevor er zu Oklahoma City Thunder getradet wurde. Dort spielt er in einem Backcourt mit zwei ehemaligen Kentucky-Teamkameraden: Shai Gilgeous-Alexander und Cason Wallace. Oweh erzielte in seinen zwei Saisons in Kentucky 1,255 Punkte, die meisten eines Spielers in seinen ersten beiden Jahren der Programmgeschichte. Zweimal hintereinander schaffte er es in die All-SEC Second Team.
Der Nigeria-Jahrgang 2026 ist ein Beleg für die wachsende Bedeutung afrikanischen Talents in der NBA. Für deutsche Basketball-Fans ist das auch eine Lektion: International scouting wird immer wichtiger, und Spieler aus unerwarteten Ecken können plötzlich auf der großen Bühne durchstarten. Okories explosive Offensive und Ejiofors zwei-Weg-Spielweise könnten schnell zum Standard werden, wenn mehr Scouts verstehen, wo das Talent sitzt. Wer German Basketball-Entwicklung folgt, sollte auf diese Muster achten: Internationale Hotspots entstehen, wenn weniger Konkurrenz um einen Spieler kämpft.