NFL kooperiert mit Florida nach Vorladung zur Rooney Rule
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NFL kooperiert mit Florida nach Vorladung zur Rooney Rule

Die NFL muss sich rechtfertigen. Floridas Generalstaatsanwalt James Uthmeier hat der Liga eine Vorladung zugestellt und untersucht, ob die NFL gegen Bürgerrechte verstößt. Im Fokus steht die Rooney Rule, die seit 23 Jahren vorschreibt, dass Teams bei der Besetzung von Head-Coach-, General-Manager- und Coordinator-Positionen mindestens zwei externe Kandidaten aus unterrepräsentierten Gruppen interviewen müssen. Für die Position des Quarterbacks Coach ist mindestens ein solcher Kandidat obligatorisch.

Uthmeier hatte bereits im März gedroht, gegen die NFL vorzugehen, falls die Liga die Rooney Rule nicht aussetzt. In seinem Brief an Commissioner Roger Goodell nannte er die Regel "unverschämte Rassen- und Geschlechtsdiskriminierung". Die Vorladung wurde am 13. Mai eingereicht. Sie verlangt umfangreiche Dokumente, darunter alle Diversity-Berichte und demografischen Daten der Trainerstäbe aller Teams seit 2017.

Goodell reagierte auf der NFL-Frühjahrssitzung am Dienstag in Orlando gelassen. Die Liga kooperiere vollständig und werde alle Unterlagen zur Verfügung stellen, sagte der Commissioner. Er betonte, dass die NFL ihre Programme regelmäßig überprüft und davon überzeugt ist, dass sie rechtmäßig und positiv sind. "Wir denken, dass unsere Arbeit eindeutig im Rahmen des Gesetzes liegt, aber auch etwas sehr Positives darstellt."

Die Untersuchung erstreckt sich auch auf das sogenannte Accelerator Program, das die NFL 2022 als Erweiterung der Rooney Rule ins Leben rief. Das Programm bietet Kandidaten die Chance, mit Franchise-Besitzern und Team-Führungskräften in Kontakt zu treten und an Informationssitzungen teilzunehmen, die sie auf künftige Interviews vorbereiten. Nach einer Pause im Mai 2024 fand das überarbeitete Programm in dieser Woche in Orlando statt. Eine Neuerung: Es sind nun auch Kandidaten ohne unterrepräsentiertem Hintergrund zugelassen. Fast die Hälfte der diesjährigen Teilnehmer sind Männer mit weißem Hintergrund.

Goodell verteidigte die Vielfalt in dem Programm. Die teilnehmenden Kandidaten seien die Besten ihrer Kategorie, unabhängig von ihrem Hintergrund. Sie erhielten die Gelegenheit, sich weiterzuentwickeln und sich potenziellen Arbeitgebern zu zeigen. Nach Aussage von Goodell seien die Reaktionen positiv gewesen: Die Kandidaten schätzten die Möglichkeit und hätten vom Programm profitiert.

Die Liga muss am 12. Juni in Tallahassee, Florida, vor dem Büro des Generalstaatsanwalts erscheinen und sich den Fragen stellen.

Ballports-Take: Für deutsche Football-Fans ist diese Entwicklung vor allem deshalb relevant, weil sie zeigt, wie intensiv die NFL-Strukturen in den USA unter die Lupe genommen werden. Die Rooney Rule ist eines der wenigen verbindlichen Instrumente im American Football, das strukturelle Vielfalt in Führungspositionen sichern soll. Dass ein Bundesstaat das jetzt angreift, könnte Konsequenzen für die gesamte Liga haben. Interessant auch für den deutschsprachigen Raum: Wie die NFL mit Fragen von Chancengleichheit und Diskriminierung umgeht, hat Einfluss darauf, wie professioneller American Football in Europa wahrgenommen wird. Der Deutsche American Football Verband und die European League of Football orientieren sich oft an NFL-Standards.

Originalquelle: ESPN / NFLOriginal lesen →
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