Die Big 12 hat ihre gerade eingereichte Klage gegen Texas Tech und Quarterback Brendan Sorsby nicht zurückgezogen, obwohl der Fall immer verworrener wird. Stattdessen wollen die Präsidenten und Rektoren der Liga in der kommenden Woche zusammenkommen, um zu entscheiden wie es weitergehen soll. Die Unsicherheiten sind erheblich: Niemand weiß genau, welche rechtlichen Konsequenzen die Konferenz selbst treffen könnten, falls Sorsbys NFL-Karriere scheitert. Und dann ist da noch die Frage, wie die NFL selbst auf Sorsbys Vergangenheit reagiert.
Der Hintergrund ist bizarr genug für einen Hollywood-Thriller. Sorsby hat zugegeben, tausendfach auf College-Football gewettet zu haben, darunter 40 Mal auf Indiana-Spiele, während er selbst für die Hoosiers spielte. Das verstößt gegen NCAA-Regeln und ist im College-Sport absolut tabu. Weil die NCAA ihn deswegen bis Montag für ineligibel erklären muss, hat Sorsby seine Klage gegen den Verband fallen gelassen. Sein Ziel: sich für den NFL Supplemental Draft 2026 anmelden.
Hier wird es noch komplizierter. Der Supplemental Draft ist in der NFL eine absolute Rarität. Es gab ihn zuletzt 2023, und tatsächlich wurde seit 2019 niemand mehr in einem Supplemental Draft gezogen. Damals schnappte sich Arizona Safety Jalen Thompson in der fünften Runde. Einen Quarterback hat zuletzt 2011 Terrelle Pryor im Supplemental Draft erlebt, als die Raiders ihn in der dritten Runde nahmen. Die NFL muss Sorsbys Antrag erst noch genehmigen, damit es überhaupt einen Supplemental Draft gibt.
Die Big 12 hat das Ganze im Grunde erfunden, um ihre Satzungen gegen die NCAA zu schützen. Das ist juristisches Schachspiel auf hohem Niveau. Aber während die Liga abwartet, werden andere Fragen immer lauter. Ein Athletic Director der Big 12 deutete an, dass auch Texas Tech selbst Konsequenzen drohen könnten. Nicht weil man den Boilermakers schaden will, sondern weil die ganzen Anwaltskosten irgendwer zahlen muss. Und es ist unfair, dass alle 16 Conference-Schulen für einen Konflikt aufkommen, den nur Texas Tech verursacht hat. Das wird auf der nächsten Konferenzschaltung heftig diskutiert.
Für deutsche Fans ist das eine Lehrstunde in NCAA-Chaos und NFL-Pragmatismus. Sorsby war in der Big 12 ein junger QB mit Potenzial, aber die Wettgeschichte zeigt wie dünn die Grenze zwischen Regelverstößen und Karriereende ist. Falls die NFL tatsächlich einen Supplemental Draft abhält nur wegen ihm, wäre das beispiellos. Falls nicht, könnte Sorsby Jahre warten müssen, bevor er wieder spielen darf. ballports sollte diesen Fall weiter beobachten, denn er hat Implikationen für wie Sportverbände mit Regel-Verstößen umgehen, die ins Strafrecht kippen könnten.