Die Kansas City Chiefs gehen ins neue NFL-Jahr mit einem bewussten Risiko: Statt einen etablierten Star-Receiver zu verpflichten, setzen sie darauf, dass Rashee Rice, Xavier Worthy und Tyquan Thornton zusammen durchbrechen. Keiner der drei hat bislang eine 1.000-Yard-Saison geschafft. Und doch entschied sich Coach Andy Reid gegen einen großen Trade oder Free-Agent-Deal und wählte stattdessen den Weg der internen Entwicklung.
Dabei half der Chiefs offensichtlich das Vertrauen in ihre Coaches. Offensive Coordinator Eric Bieniemy kehrt zurück, und die Chiefs holten mit Chad O'Shea einen neuen Receivers Coach. Reid erwartet, dass alle drei Starter fit sind, wenn das Training Camp im Juli öffnet. Das größte Fragezeichen war lange Rashee Rice selbst. Der 26-Jährige saß eine 30-tägige Gefängnisstrafe ab, nachdem er gegen Bewährungsauflagen verstieß, die mit einem Crash in Dallas vor zwei Jahren verbunden waren, bei dem mehrere Menschen verletzt wurden. Eine Woche vor seiner Verurteilung ließ sich Rice am rechten Knie operieren, um lockeres Gewebe zu entfernen, das Entzündungen verursachte. Während seiner Haft durfte er das Parkland Hospital besuchen, um seine Reha fortzusetzen und Komplikationen zu vermeiden. "Gott sei Dank erlauben sie ihm das," sagte Reid.
Nach seiner Entlassung wird Rice seine Rehabilitation unter Anleitung des Chiefs-Trainerstabs fortsetzen. Xavier Worthy betonte, dass er täglich mit Rice Kontakt hält. Wenn Rice gesund zurückkommt, könnte das die ganze Rechnung ändern. In seiner Rookie-Saison fing er 79 Pässe für 938 Yards und sieben Touchdowns. Seither fehlte er 22 Spiele durch Verletzungen und eine sechsspieltige Suspension. Letzte Saison kämpfte Rice mit Drops und Separation-Problemen gegen Man-Coverage, rangierte aber trotzdem als bester Chiefs-Receiver nach ESPN-Gesamtbewertung, landete ligaweit nur auf Platz 77.
Nicht alle sind überzeugt von dieser Strategie. ESPN-Analyst Steve Smith Sr., einst selbst Top-Receiver, kritisierte die Chiefs offen: "Der größte Problem ist, dass ich sie derzeit nicht als Super-Bowl-Contender sehe. Es gibt zu viele Fragezeichen in dem Receiver Room." Er hinterfragte, ob Rice "sich selbst im Weg steht" und ob Worthys Speed wirklich in 1.000-Yard-Saisons mündet. Worthy selbst ist pragmatisch: "Die Leute haben ihre Meinung. Wir müssen einfach rausgehen und liefern. Als Unit haben wir das letzte Jahr nicht geschafft."
Für deutsche Chiefs-Fans ist das die zentrale Geschichte des Offseasons: Mahomes muss von seiner ACL-Verletzung zurückkommen, und die Receiver müssen endlich liefern. Rice ist das größte Wildcard-Element. Wenn er fit wird und seine Drops reduziert, könnte das die ganze Offense transformieren. In Fantasy Football wird Rice zum klassischen Boom-or-Bust-Pick in diesem Draft. Die Chiefs haben auf der Tiefe-Chart klar kommuniziert, dass sie an diese drei glauben, und nicht an der Waiver Wire nach schnellen Fixes suchen.