Die NFL hat sich mit der Schiedsrichter-Gewerkschaft auf einen historischen Schritt geeinigt: Erstmals in der Liga-Geschichte soll es eine Practice Squad für Schiedsrichter geben. Bis zu 12 Referees werden dieser Gruppe angehören, sollen zu Stadien reisen und als Ersatz einspringen, wenn ein regulärer Schiedsrichter verletzt ist oder schlecht performt. Das ist das greifbarste Ergebnis von zwei Jahren zäher Verhandlungen zwischen der NFL und der Referees Association, in denen beide Seiten mit einem möglichen Lockout und dem Einsatz von Ersatz-Schiedsrichtern drohten.
Die Practice Squad ist aber nicht nur für den Notfall da. Die NFL plant, einige ihrer Mitglieder bewusst in regulären Saisonspielen einzusetzen, um sie zu entwickeln. Das soll unabhängig von Verletzungen oder Ausfällen geschehen. Für manche NFL-Insider ist das eine lang ersehnte "Injektion von NFL DNA" in die Art, wie Schiedsrichter gemanagt werden. Andere sind skeptisch. Sie verweisen auf ähnliche Versprechen aus dem letzten CBA von 2019, die nie vollständig umgesetzt wurden. Zudem warnen sie vor dem Risiko, unerfahrene Schiedsrichter mitten in der Saison einzusetzen und etablierten Referees damit weniger Einsatzzeit zu geben.
Neben der Practice Squad einigten sich die Seiten auf weitere Neuerungen. Die Vergütung soll künftig stärker an die Leistung gekoppelt werden, nicht nur an die Anciennität. Dazu kommen 14 neue Trainingstage in der Offseason. Schiedsrichter, die schlecht performt haben, könnten künftig an die United Football League ausgeliehen werden. In diesem Frühjahr sind zudem alle Crews erstmals bei OTAs und Minicamps dabei gewesen. Ramon George, NFL VP für Schiedsrichter-Training, sieht darin einen Wettbewerbsvorteil: "Ich denke, das wird Wettbewerb unter den Schiedsrichtern von oben bis unten schaffen."
Doch nicht alles ist wirklich neu. Dean Blandino, der die NFL-Schiedsrichter von 2013 bis 2017 leitete und heute für Fox Sports und die UFL arbeitet, macht einen wichtigen Unterschied: "Mehr Arbeit und zusätzliche Hilfe sind nicht verkehrt. Aber letztlich sind es sehr ähnliche Konzepte, die es vorher schon gab und die man hätte umsetzen können. Da frage ich mich, ob einiges davon nur Kosmetik ist." Die entscheidende Frage bleibt: Kann die NFL durch diese CBA-Punkte wirklich besseres Officiating liefern, oder sollen sie nur interne und externe Kritik an der Schiedsrichter-Qualität beruhigen?
Für deutsche Football-Fans ist das langfristig relevant: Je professioneller die NFL ihre Schiedsrichter entwickelt, desto konsistenter laufen auch die europäischen Spiele ab. Wenn die Practice Squad wie geplant funktioniert, könnte das Modell irgendwann auch für ELF-Operationen interessant werden. Kurzfristig ist das System aber noch Theorie. Blandino und andere Insider mahnen zur Geduld: Der tatsächliche Impact hängt davon ab, ob die NFL ihre eigenen Vorsätze wirklich umsetzt oder ob es bei Ankündigungen bleibt.