DaVon Hamilton: Wie eine Infektion den Jaguars-Star fast gelähmt hätte
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DaVon Hamilton: Wie eine Infektion den Jaguars-Star fast gelähmt hätte

Jacksonville, Florida. DaVon Hamilton konnte nicht schlafen. Der stechende Schmerz in seinem Rücken war so intensiv, dass die Trainer der Jacksonville Jaguars ihm einen Pool-Liegestuhl ins Hotelzimmer nach Detroit brachten. Das war am 17. August 2023, nach zwei gemeinsamen Trainingseinheiten mit den Lions. Der fast zwei Meter lange Stuhl war nötig, weil Hamilton sich nicht flach hinlegen konnte. Am Ende der Trainingswoche, beim Preseason-Spiel gegen Detroit, packte Hamilton seinen Koffer in fast 90 Minuten. Trainer mussten ihm helfen, auf den Team-Bus zu steigen. Im Spiel selbst saß er mit Schmerzen in der Kabine.

Es war nicht das erste Mal, dass Hamilton solche Symptome hatte. Bereits vor dem offiziellen Trainingscamp hatte er Behandlungen bekommen. Aber jetzt war es anders. Deutlich schlimmer. Als das Flugzeug landete und Hamilton nicht mehr auf den eigenen Beinen stehen konnte, um auszusteigen, wurde es ernst. "Ich brauchte Hilfe beim Gehen. Punkt", erzählte der 1,93 Meter große, 152-Kilogramm-schwere Defensive Lineman ESPN. "Zwei oder drei Leute hielten mich fest. Die medizinische Betreuung sagte sofort: Wir bringen dich ins Krankenhaus."

Hamilton wurde zur Baptist Medical Center in Jacksonville gebracht. Team Physician Kevin Kaplan ordnete mehrere Tests an. Die MRT-Aufnahmen zeigten etwas Seltenes: einen Spinal Epidural Abscess mit schwerer Rückenmarkskompression. Vereinfacht gesagt: eine Infektion im Spinalkanal. Eiter füllte den Kanal und drückte auf das Rückenmark. Das verursachte Schmerzen, Schwäche, Taubheit. Und wenn nicht schnell behandelt: bleibende Lähmung. Kaplan rief Bradley Wallace an, den Chief of Neurosurgery im Krankenhaus und einen der NFL-Neurotrauma-Consultants, die an jedem Spieltag für Gehirnerschütterungen bereit stehen. Wallace war schockiert von den MRT-Ergebnissen.

Die Zeit war kritisch. Nach Angaben des National Institute of Health ist diese Infektionsform selten bei jungen, gesunden Menschen. Sie tritt eher bei älteren Patienten und Menschen mit Risikofaktoren auf. Intravenöser Drogenkonsum ist laut NIH der Hauptrisikofaktor, Diabetes die häufigste Begleiterkrankung. Bei Hamilton traf nichts davon zu. Eine frühe Diagnose ist entscheidend. Eine Verzögerung kann zu dauerhaften Schäden führen. Glücklicherweise war Wallace an jenem Sonntagmorgen zufällig vor Ort für eine selten angesetzte Operation. Ohne diesen Zufall hätte Hamilton gelähmt sein können.

Jaguars Team Physician Kaplan beschrieb später die Situation als so selten, dass er Hamiltons Fall 2026 beim NFL Combine dem medizinischen Fachpersonal präsentierte. "Ich war so verängstigt wie nie zuvor", sagte Kaplan. "Der Ablauf der Ereignisse war beängstigend." Fast drei Jahre später ist Hamilton zurück als Starting Nose Tackle der Jaguars. Seine letzte Saison war eine der besten seit seinem Draft 2020 aus Ohio State. Jetzt will Hamilton seine Geschichte teilen. "Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken", sagt Hamilton. "Viel Zeit mit Gott verbracht und verstanden, dass Gott einen Plan für mich hat. Das ist kein Zufall, sondern etwas, von dem ich lernen und andere damit inspirieren kann."

Ballports-Take: Hamiltons Geschichte ist mehr als ein medizinisches Drama. Sie zeigt, wie dünn die Linie zwischen Karriere und Tragödie im Elite-Football ist. Dass ein professioneller Athlet mit Hamiltons Größe und Kraft fast an einer Infektion zugrunde gegangen wäre, die eigentlich ältere oder immungeschwächte Menschen trifft, unterstreicht: In diesem Sport können die größten Gegner unsichtbar sein. Für Fantasy-Football-Manager ist relevant, dass Hamilton gerade seine beste Phase spielt. Für DACH-Fans: Wenn die NFL irgendwann nach Deutschland oder Berlin kommt, wird dieses Spiel mit Jaguars-Spielern wie Hamilton besonderen Wert haben.

Originalquelle: ESPN / NFLOriginal lesen →
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