Cheryl Reeve hat sich in die Geschichtsbücher der WNBA eingetragen. Mit dem 86:80-Sieg der Minnesota Lynx gegen die Connecticut Sun am Mittwochabend in Uncasville holte sich die Trainerin den alleinigen Rekord für die meisten Siege in der Ligageschichte. Kayla McBride trug 23 Punkte zum Erfolg bei und bescherte Reeve damit ihren 380. Sieg im Regularseason-Format. Den bisherigen Rekordhalter Mike Thibault lässt sie mit dieser Bilanz endgültig hinter sich.
Reeve selbst zeigte sich nach dem Rekord erleichtert. "Ich bin so froh, dass das vorbei ist", sagte sie nach der Partie. Als vierfache WNBA Coach of the Year hat die 55-Jährige seit ihrer Anstellung bei den Lynx 2010 die Organisation geprägt wie kaum ein anderer Coach. Unter ihrer Leitung gewann Minnesota alle vier Meisterschaften der Franchise-Geschichte, eine Bilanz die nur noch die Houston Comets und die Seattle Storm erreicht haben. Reeve betonte dabei, dass sie von Thibault über die Jahre viel gelernt habe und dass sie selbst eines Tages jemanden glücklich sehen werde, der diesen Rekord übertreffe.
Der Weg zum Rekord war zuletzt turbulent. Nach dem 85:77-Sieg gegen Dallas am 28. Juni, mit dem Reeve zunächst mit Thibault gleichzog, folgten für die ansonsten starken Lynx ungewöhnliche Probleme. Das Team verlor zwei Spiele nacheinander zum ersten Mal in dieser Saison. Am Freitag unterlag Minnesota bei New York die erste Gelegenheit zur Rekord-Verwirklichung, am Montag folgte ein 90:89-Heimverlust gegen eben jene Sun, gegen die Reeve den Meilenstein letztlich doch noch erreichte.
Natasha Howard stabilisierte die Lynx mit 12 Punkten und 10 Rebounds, während Connecticut trotz Leila Lacans 15 Punkten und sechs Vorlagen sowie 14 Zählern von Olivia Nelson-Ododa chancenlos blieb. Die Sun mussten ohne Britney Griner (Zerrung am linken Oberschenkel) auskommen und verloren Saniya Rivers wegen einer Knöchelzerrung noch während der Partie. Für Minnesota fehlte auch All-Star Olivia Miles, die Rookie und zweite Pick des Drafts laboriert an einer Wadenverletzung und verpasste damit ihr zweites Spiel in Folge.
Mit dem Sieg rücken die Lynx (16:6) in der Tabelle einen halben Spieltag vor die Vegas Aces auf, die als verteidigende Meister in diesem Jahr unter Druck geraten. Minnesota empfängt am Samstag die New York Liberty zum Start einer vierteiligen Heimserie, Connecticut gastiert am Freitag bei Golden State.
Das Erreichen dieses Meilensteins unterstreicht, wie nachhaltig Cheryl Reeve die WNBA geprägt hat. Für deutsche Fans, die sich mit dem professionellen Frauenbasketball auseinandersetzen, bietet Reeves Karriere ein Lehrstück in strategischer Konstanz und Entwicklung von Talenten. Die Lynx sind derzeit nicht nur Meisterschaftskandidaten, sondern auch deshalb interessant, weil Reeves Philosophie im Aufbau zeigt, wie man über mehr als ein Jahrzehnt hinweg wettbewerbsfähig bleibt. Wer die EuroLeague Women verfolgt und sich fragt, wie strukturelle Exzellenz aussieht, findet bei Minnesota ein Vorbild für langfristige Planung statt kurzfristiger Schnellschüsse.