Die Los Angeles Chargers stehen unter neuer Leitung. Coach Jim Harbaugh hat sich Offensive Coordinator Mike McDaniel ins Boot geholt, dazu kam mit Chris O'Leary ein neuer Defensive Coordinator. Nach zwei Jahren mit beschämenden Playoff-Niederlagen sollen diese neuen Köpfe den Grund legen für eine Saison, die wirklich zählt. In den Offseason Activities, den freiwilligen Trainingseinheiten, zeigt sich bereits: McDaniel prägt die Mannschaft ganz bewusst um.
GM Joe Hortiz hat den Transfermarkt nach McDaniels Wunschliste durchforstet. Guard Mekhi Becton flog raus, dafür kamen Cole Strange und Laufback Keaton Mitchell rein. Alle zwei sind explizit McDaniels Spieler. Die neue Offensive Linie wird umgestellt auf Geschwindigkeit und Überzeugungstätigkeit statt perfekter Ausführung. Offensive Lineman Kayode Awosika sagte dazu: "Conviction over perfection, das heißt Tempo, Aggressivität vom Ball weg und nicht auf die Präsentation achten." Cole Strange formuliert es noch prägnanter: "Wenn du spielst und versuchst, perfekt zu sein, wirst du furchtbar sein. Du musst einfach gehen." Das sind nicht einfach neue Trainingsübungen. Das ist ein mentaler Wechsel.
Justin Herbert, im siebten Jahr seiner NFL-Karriere und längst etabliert als einer der besten Quarterbacks der Liga, bekommt jetzt ein mechanisches Überholungsprogramm von McDaniel. Der Fokus liegt auf Fußwork und antizipativem Werfen. McDaniel will, dass Herbert weniger auf seinen großen Arm verlässt und stattdessen den Ball in 2,4 Sekunden oder schneller raus bringt, wo er sein ganzes Karriere erfolgreich war. Um das zu trainieren, nimmt Herbert einzelne Tage aus der Praxis. Einmal pro Woche während der OTAs und darüber hinaus wirft Herbert mit einem grünen Wasserball nur an Wurfbewegungen, echte Footballs nutzt er nur für Handoffs und Pitches. "Das hilft uns, den Ball aus einer Position rauszubringen, wo Receiver den Ball ablegen und etwas kreieren können," erklärte Herbert selbst. Das soll der Offensive Line helfen und der ganzen Offensive zugute kommen.
Auch auf der Defensive Line dreht sich das Rad. Defensive Line Coach Mike Elston betont, dass die Flexibilität der inneren Spieler in diesem Jahr Vorrang hat. Das betrifft speziell Teair Tart, Justin Eboigbe und Jamaree Caldwell. Tart hat gerade eine drei Jahre lange Verlängerung über 37,5 Millionen Dollar unterschrieben. Er soll breiter eingesetzt werden als nur über Center oder Guard, auch über Tackle-Positionen. Eboigbe war in der dritten Down-Package letzte Saison "wirklich nicht im Fokus", Elston plant aber, das nach Ebiogbes Durchbruchsaison zu ändern. Caldwell wird gar auf der Outside trainiert, nicht als Edge Rusher, aber über Guard oder Tackle. Elston will allen drei Spielern mehr Gelegenheiten geben, echte Plays zu machen.
Das ist keine kosmetische Umbau. Die Chargers stellen ihre Offensive und ihre Defensive neu auf, vom Playbook bis zur Mentalität. McDaniel und O'Leary haben klare Ideen, wie eine Offense und Defense aussehen müssen, und Joe Hortiz hat versucht, die richtigen Spieler dafür zu kaufen. Herbert wird neu trainiert wie ein Rookie, und die Defensive Line wird elastischer eingesetzt. Die Chancen sind real, dass diese Organisation 2026 einen anderen Eindruck macht.