RENTON, Wash. — Derick Hall war nicht immer ein Pass-Rush-Monster. In seinem ersten Jahr bei den Seattle Seahawks als Second-Round-Pick 2023 sammelte der Outside Linebacker exakt null Sacks. Doch dann kam ein Moment in der Preseason 2024 gegen Tennessee, der bis heute in den Teamtrainings gezeigt wird. Hall stand bei einer Run-Defense auf der Line, der Gegner schickte einen Tight End in Motion, um ihn im Kick-out-Block abzuhängen. Hall senkte die Schulter, warf den Gegner auf den Rücken und lief durch einen ziehenden Guard. Der Ball Carrier kam keinen Meter vorwärts. Das war der Moment, in dem die Seahawks wussten, dass sie Hall richtig eingeschätzt hatten.
Diesen Herbst belohnte Seattle ihn mit einer Drei-Jahres-Verlängerung über 42 Millionen Dollar. Das Geld floss an Hall statt an Boye Mafe, seinen Pass-Rush-Konkurrenten aus der Rotation. Mafe verdiente sich zwar einen lukrativeren Deal bei den Cincinnati Bengals, doch Head Coach Mike Macdonald und General Manager John Schneider setzten bewusst auf Halls Art zu spielen. Während Mafe schnelle Pass-Rush-Wins generiert, verkörpert Hall die Philosophie, die Macdonald seiner Defense einimpfen will: rohe, aggressive Zweiwegs-Defense ohne Ablenkung durch Sack-Statistiken.
Sicherheitsspieler Julian Love beschreibt Halls Wesen präzise: "Er ist einfach ein gewalttätiger Spieler. Unglaublich stark, ein unbändiger Motor. Wenn jemand gleichzeitig den Pass rushen und den Run stoppen will, dann ist das unser Rezept. Er macht nicht diese Sack-Jagd-Spielweise. Er ist ein kompletter D-End, und er ist gewalttätig. Wahrscheinlich der gewalttätigste Mensch in unserer Defense." Sogar Defensive Tackle Jarran Reed fand die Beschreibung passend, nachdem Hall mit DeMarcus Lawrence, dem früheren Star der Dallas Cowboys, zusammengebracht worden war. Lawrence und Hall spielen nach derselben Mentalität: "balls to the wall", wie Reed es ausdrückte.
Die Zahlen dokumentierten Halls Sprung. Von null Sacks im Rookie-Jahr auf acht in der Regular Season 2024. Zwar betrug seine Pressure Rate nur 10,3 Prozent, Platz 32 unter allen Defensivspielern, und nur zwei dieser Sacks kamen in der Regular Season zustande. Doch Hall war Teil einer Vier-Mann-Rotation und spielte durch Verletzungspausen sowie eine Einjahresssperre nach einer Tritt-Aktion gegen Kevin Dotson von den LA Rams in Week 16. Kurz darauf, als Hall die Seahawks gegen die Carolina Panthers von zu Hause aus anschaute, trug GM John Schneider sein Trikot unter dem Sport Coat.
balls ports schaut auf die defensive Philosophie in Seattle und sieht, wie sich das Draft-Capital der Seahawks langfristig auszahlt. Hall als Second-Round-Pick mit dieser Leistungskurve wird zum Blueprint für amerikanische Defensive Lines — und für DACH-Football-Fans ein Paradebeispiel, wie man junge Spieler entwickelt statt nur zu verpflichten. Die Seahawks beweisen, dass Super-Bowl-Siege auf Defense-Fundamentals bauen, nicht auf einzelnen Pass-Rush-Stars.