Die NBA-Playoffs 2026 nähern sich ihrem Finale, doch die beiden Conference Finals zeigen völlig unterschiedliche Bilder. Im Westen halten Oklahoma City Thunder und San Antonio Spurs noch immer mit 2-2 an, Game 5 steht am Dienstag an. Im Osten haben die New York Knicks die Cleveland Cavaliers in vier Spielen überrollt und stehen erstmals seit 1999 wieder im NBA Finals. Während sich die besten vier Teams dem Ende nähern, zeichnet sich ein Bild ab, in dem ein einzelner Spieler die gesamte Postseason überschattet.
Victor Wembanyama hat sich als überragender Spieler dieser Playoffs etabliert. Der 22-jährige Center der Spurs bricht in seinem ersten Postseason-Auftritt Rekorde, die man kaum für möglich hielt. Er durchschnittliche 23,1 Punkte, 11,4 Rebounds und 3,8 Blocks pro Spiel, trifft dabei 37 Prozent seiner Dreier und 86 Prozent seiner Freiwürfe. Das klingt beeindruckend, wird aber erst durch ein anderes Zahlenpaar wirklich aussagekräftig: Die Spurs haben ein Plus von 17,3 Punkten pro 100 Besitze, wenn Wembanyama auf dem Platz steht. Ohne ihn: Minus 0,3. In den Conference Finals ist die Diskrepanz noch drastischer. Mit ihm Plus 6,1, ohne ihn Minus 60,3.
In den großen analytischen Metriken dominiert der junge Franzose ohne Konkurrenz. Er führt alle Playoffs-Spieler in Espns Net-Points-Metrik an, führt die estimated plus-minus an und steht bei der box plus-minus nur hinter Karl-Anthony Towns. Die Knicks haben mit Jalen Brunson, Towns und OG Anunoby drei Spieler unter den Top vier der Playoffs nach Net Points, doch Wembanyama sammelt fast so viele dieser Punkte allein wie die drei nächstbesten Spurs zusammen. Dylan Harper, Stephon Castle und Julian Champagnie bringen zusammen nicht die gleiche Produktivität wie ihr Superstar. Bei einem Spieler, der erst 22 Jahre alt ist und zum ersten Mal in den Playoffs spielt, wirkt das wie ein Statement für die kommenden Jahre.
Alex Caruso nutzt seine Zeit mit Oklahoma City, um sein Vermächtnis zu schreiben. Der Defensiv-Spezialist der Thunder ist in den Conference Finals bislang einer der wertvollsten Spieler seiner Mannschaft. In den ersten drei Spielen erzielte Caruso 21 Punkte pro Spiel und traf dabei 61 Prozent seiner Dreier-Versuche. Game 4 war schwach für ihn und sein Team, doch seine Effizienz zeigte vorher, dass die Spurs nicht einfach darauf verlassen können, ihn offen am Perimeter stehen zu lassen. Sein Plus-Minus von Plus 15,3 über die ersten drei Spiele war das beste Wert im Thunder-Team.
Doch Carusos wahre Klasse zeigt sich in der Defense. Nach estimated plus-minus ist er derzeit der viertbeste Defender pro Possession in der gesamten Liga, nur Wembanyama, Ausar Thompson und Rudy Gobert stehen höher. Nach alternativen Metriken wie xRAPM steht er sogar auf Platz zwei hinter Wembanyama. Seine Defensive-Versatiletät ist legendär: In den bisherigen Playoff-Runden verteidigte Caruso gegen LeBron James, Victor Wembanyama und Stephon Castle. Ein Forward, ein Center, ein Guard. Jeder von ihnen ist ein physisches Phänomen in seiner Position mit völlig unterschiedlichen Fähigkeiten. Caruso konnte sie alle einbremsen. Das ist der Grad an Flexibilität, den man in der NBA-Geschichte nur selten sieht.
Ballports-Take: Für deutsche Basketball-Fans wird das Finale zwischen den Knicks und dem Sieger aus Thunder-Spurs-Serie absolut sehenswert. Wembanyama ist nicht nur der beste Spieler dieser Playoffs, sondern verkörpert auch eine Generation von internationalen Stars, die die NBA nicht mehr dominieren, sondern anführen. Caruso zeigt derweil, dass nicht jeder Star 25 Punkte pro Nacht braucht, um seine Liga zu beeinflussen. Wenn die Bayern und andere ELF-Teams junge Deutsche entwickeln wollen, sollten sie sich diese Playoff-Serie angucken: Wembanyama und Caruso zeigen, wie Perimeter-Verteidigung und Größe in modernem Basketball funktionieren.