NEW YORK – An der Radio City Music Hall spielte der DJ nach dem vierten Sieg der Knicks gegen die Cleveland Cavaliers im Eastern Conference Finals sofort "1999" von Prince. Das war das letzte Jahr, in dem New York in den NBA Finals stand. Über 26 Jahre später feierten die Fans ausgelassen in der berühmten Halle Manhattans, während sie zu "So tonight I'm gonna party like it's 1999" sangen.
Das aktuelle Knicks-Team schreibt dabei Geschichte, die vorher niemand schreiben konnte. In ihren bisherigen elf Playoff-Spielen haben die New Yorker ihre Gegner um insgesamt 262 Punkte dominiert. Das ist der größte Point Differential in jedem 11-Spiele-Stretch der NBA-Geschichte. Die Knicks fegten Atlanta und Philadelphia in je vier Spielen beiseite, dann Cleveland im selben Muster. "Es gibt keinen Präzedenzfall bei diesem Point Differential. So gut ist diese Knicks-Mannschaft", sagte Ari Levine, der stolz ein Besenstück trug, nachdem sein Team die zweite Serie in Folge mit einem Sweep entschieden hatte.
Gegen Oklahoma City oder San Antonio wollen die Knicks ihre beeindruckende Serie fortsetzen. Aus Radio City strömten die Fans auf die Straßen Manhattans und skandierten überwiegend "We want Wemby! We want Wemby!", was zeigt, dass viele ein Finals-Duell mit Victor Wembanyama und den San Antonio Spurs bevorzugen würden. Das hinderte sie nicht daran, an einen Titel zu glauben. Der Rapper Fat Joe postete von Clevelands Court aus auf Instagram: "We're taking everything! We're taking the whole thing!"
Für ältere Fans wie Anthony Mills ist dieser Moment besonders. Er wurde Knicks-Fan in der Mitte der 1980er Jahre, als Bernard King für New York spielte. Die letzte Meisterschaft liegt nun 50 Jahre zurück und fand 1973 statt. Mills erinnert sich an die dunkelsten Tage: "Das Jahr, in dem wir nur 17 Spiele gewonnen haben, dachte ich, wir hätten den absoluten Tiefpunkt erreicht. Ich war mir nicht sicher, ob wir das jemals wieder aufbauen können." Die Knicks hatten sieben Saisons hintereinander eine negative Bilanz.
Jetzt aber spielen sie wie Sieger. Mills sieht in Guard Jalen Brunson sogar einen zukünftigen Platz unter New Yorks größten Legenden, wenn dieser Titel folgt. "Wenn Jalen Brunson einen Championship gewinnt, sollte er wie Joe Namath sein", sagte Mills und verglich seinen Star mit dem Quarterback, der 1969 garantierte, dass die Jets die Colts schlagen würden – und es dann tat. "Diese Mannschaft hat Hunger und versteht, was ein Titel für diese Stadt bedeutet", ergänzte Mills. "Sie werden Meister."
Ballports-Take: Die Knicks liefern eine der konservativsten Basketball-Meisterschafts-Geschichten der modernen NBA. Nach Jahren im Keller haben sie sich mit großer Ruhe nach vorne gekämpft, ohne sich in Blockbuster-Trades zu verlieren. Für deutsche Fans sind die Knicks schon länger wegen ihrer historischen Relevanz spannend, jetzt haben sie sportlich wieder etwas zu sehen. Jalen Brunson war Draft-13 und gilt vielen als unterschätzt – sollte er tatsächlich einen Titel bringen, wird die NBA-Fachwelt seinen Trade nach New York neu bewerten müssen. Das ist auch für Fantasy-Football-Spieler relevant, die 2025 auf erfahrene, unterforderte Guards hoffen: Brunson zeigt, dass etablierte Spieler noch enorm aufblühen können.