Sarah Ashlee Barker war die Architektin eines furiosen vierten Viertels der Portland Fire. Die Expansion besiegte die New York Liberty am Montagabend mit 81:74 und zog damit die Gäste in den Strudel ihrer dritten Niederlage hintereinander.
Das Spiel pendelte lange hin und her, bis Portland in der Schlussphase das Tempo anzog. Bei einem Rückstand von 65:60 in der Mitte des vierten Viertels ließen die Fire zwölf Punkte am Stück folgen. Barker traf zunächst per Layup und legte dann einen Dreier nach, der Portland erstmals seit früh im dritten Viertel in Führung brachte. Sie score alle sieben ihrer Punkte in dieser entscheidenden Phase. Carla Leite, die Topscorerin der Fire mit 18 Punkten, setzte den Schlussstein mit einem Dreier 13,7 Sekunden vor der Sirene zum 78:71. New York kam danach nicht mehr näher heran als auf drei Punkte.
Die Liberty (3:4) zeigten zwar in der dritten Phase starke Ansätze. Breanna Stewart führte die Mannschaft mit 25 Punkten an, Marine Johannes steuerte 11 bei. Ein spektakulärer Moment gelang Johannes in der Mitte des dritten Viertels: Sie dribbelte vom Korb weg bis zur Mittellinie und warf dann einen Rückpass über ihren Kopf zu Jonquel Jones, die zum Layup kam und gefoult wurde. Damit führte New York 47:40. Zur Pause lag die Liberty mit 35:33 vorne, Portland glich bis zum Ende des dritten Viertels auf 57:49 aus.
Doch die entscheidende Schwachstelle: New York vermisste Sabrina Ionescu, seine Star-Guard. Und noch ein Problem kam hinzu. Satou Sabally, die prominente Free-Agent-Verpflichtung im Sommer, spielte nur die ersten vier Minuten. Sie zog sich zwei Fouls zu, verließ das Spiel mit einer Erkrankung und kehrte nicht zurück. Sabally hatte diese Saison erst am Donnerstag ihr Comeback gegeben nach einer Gehirnerschütterung aus Game 3 der WNBA Finals der Vorsaison mit Phoenix.
Die erste Hälfte war von fehlender Rhythmen geprägt. Portland lag zur Pause mit zwei Punkten vorne, die Fire zeigten dabei eine ausgeglichene Offensive mit Leite an der Spitze mit acht Punkten. Dies war das dritte und letzte Aufeinandertreffen der beiden Teams in dieser Saison, alle drei Partien fanden in den ersten sieben Spieltagen statt. Portland fährt nach Hause zu Connecticut (Mittwoch), New York empfängt Phoenix zu einem Zwei-Spiele-Set ebenfalls ab Mittwoch.
Ballports-Take: Für deutsche WNBA-Fans ist Portland Fire eine zunehmend interessante Adresse. Das Expansion-Team zeigt Struktur und offensives Potenzial, wenn es unter Druck werden kann, wie dieses vierte Viertel bewies. Carla Leite entwickelt sich als Ankerpunkt, Barkers Fähigkeit, in kritischen Momenten zu treffen, ist ein Zeichen echter Tiefe. New York dagegen verliert zunächst an Stabilität ohne Ionescu und muss hoffen, dass Sabally bald wieder volle Einsatzzeit bekommt, um den großen Sommer-Investment zu rechtfertigen.