Wenn Besitzer selbst draften, wird's kompliziert
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Wenn Besitzer selbst draften, wird's kompliziert

Steve Bisciotti, der Besitzer der Baltimore Ravens, saß beim Offseason-Meeting seines Teams in Jupiter, Florida, zusammen mit General Manager Eric DeCosta bei einer Flasche Rotwein. Nach ein paar Gläsern kam es zur Wette: Bisciotti wollte selbst einen Draft-Pick setzen. DeCosta willigte ein und gab ihm einen der vier fünften Picks der Ravens. Bisciotti engagierte sich dabei mit Leidenschaft. Er rief sogar Dabo Swinney an, den Trainer von Clemson, um sich über Running Back Adam Randall zu erkundigen. Swinney beschrieb Randall als den Spieler mit dem besten Charakter, den er je trainiert hatte.

Als die Ravens mit Pick 174 in der fünften Runde auf der Clock waren, bekam es Bisciotti mit der Angst zu tun. Es gab Spieler auf DeCostas Board, die höher eingestuft waren als Randall. Bisciotti überlegte sogar, seinen Pick in die sechste Runde zu verschieben, fürchtete dann aber, dass Punter Ryan Eckley, den man für Runde sechs eingeplant hatte, nicht bis zur siebten Runde verfügbar sein würde. DeCosta gab ihm dann den entscheidenden Rat: "You did the work. Pick your guy." Bisciotti holte tief Luft und berief Adam Randall. "It's hard, isn't it?", fragte DeCosta danach. "S--- yes, it's hard", antwortete Bisciotti. Er gab später zu, dass sein Gesicht kreidebleich war, nachdem er den Pick offiziell gemacht hatte.

Die Rolle von NFL-Besitzern beim Draft und bei Personalentscheidungen reicht von sehr eingemischt bis völlig unbeteiligt. Jerry Jones von den Dallas Cowboys ist als General Manager bekannt für seine volle Kontrolle über die Draft-Strategie. George McCaskey, der 70 Jahre alte Vorsitzende der Chicago Bears, hingegen verbrachte den dritten Draft-Tag 2024 damit, ein High-School-Baseballspiel als Schiedsrichter zu leiten, während sein Team in der fünften Runde aktiv war. Ein Athletic Director der Sycamore High School in Illinois musste McCaskey per Telefon über die Picks der Bears auf dem Laufenden halten.

Die Ergebnisse von Besitzer-Einmischung fallen unterschiedlich aus. Während manche zu Desastern in New York und Cleveland führten oder zu Kontroversen in Miami, gab es auch erfolgreiche Blockbuster-Trades wie in Indianapolis. Bisciottis Entscheidung für Randall wird sich erst auf dem Feld zeigen, aber die nervöse Anspannung dahinter zeigt: Auch wer das Team besitzt, trägt beim Draft echte Verantwortung.

Ballports-Take: Die Geschichte zeigt, wie dünn die Linie zwischen NFL-Besitzer und Fußball-Entscheider ist. Bisciotti hatte alle Ressourcen und Connections, die man sich wünscht, war aber trotzdem nervöser als viele professionelle Scouts. Das illustriert, warum erfolgreiche Draft-Arbeit nicht nur von Geld oder Status abhängt, sondern von echter Vorbereitung und dem Vertrauen in die eigene Arbeit. Für DACH-Fans, die GFL-Clubs folgen, ist das relevant: Auch dort können gut gemeinte Besitzer-Einmischungen schiefgehen, wenn nicht die richtige Expertise dahinter steckt.

Originalquelle: ESPN / NFLOriginal lesen →
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