Adam Silver hat genug gesehen. Der NBA-Commissioner kündigte im März bei der Versammlung der Team-Besitzer an, dass die Liga handelt. Die neuen Incentives beim Draft funktionieren nicht, und das soll sich sofort ändern. Am Donnerstag stimmte der Board of Governors über eine Reform ab, die fast sicher durchgeht: die "3-2-1 Lottery". Das System soll das jährliche Rennen zum schlechtesten Record in der Liga ersticken und Teams dazu bringen, auch am Ende der Saison noch zu gewinnen.
Das Problem ist real und offensichtlich. Die Washington Wizards verloren 27 ihrer letzten 28 Spiele und fuhren einen 17:65-Record ein. Sie holten sich Trae Young im Dezember und Anthony Davis vor der Trade Deadline, ließen beide aber praktisch gar nicht spielen. Der Grund war simpel: Sie wollten einen garantiert Top-Five-Pick. Die Memphis Grizzlies spielten die letzte Saisonphase 5:28 und landeten damit auf Platz 6 der schlechtesten Teams. Die Philadelphia 76ers zogen das Gleiche durch und schützten einen Top-Six-Pick, um am Ende einen Rookie zu haben, der für die Auszeichnung "Rookie of the Year" nominiert wurde.
Die neue Lotterie mit 16 Teams soll diesen extremen Tanking unmöglich machen. Zusätzlich dürfen Teams ihre Picks in den Positionen 12 bis 15 nicht mehr schützen. Das nimmt den Franchises einen großen Grund weg, bewusst Spiele zu verlieren. Wenn schlechte Teams plötzlich davon profitieren, dass sie gewinnen, statt dass sie vom Verlieren profitieren, verschwindet der Anreiz zum absichtlichen Scheitern. Es ist eine elegante Lösung gegen eine echte Krankheit im System.
Aber die Reform hat einen merkwürdigen Haken. Obwohl die Lotterie mehr Zufall bringen soll, führt die Liga gleichzeitig Beschränkungen ein. Ein Team darf nicht zwei Jahre hintereinander die Lotterie gewinnen und nicht drei Jahre in Folge einen Top-Five-Pick landen. Das richtet sich direkt gegen San Antonio. Die Spurs holten sich 2023, 2024 und 2025 die Picks Nummer 1, 4 und 2 und wählten Victor Wembanyama, Stephon Castle und Dylan Harper. Für San Antonio ist das eine Basis für eine potenzielle Dynastie. Aber die Liga möchte Talente lieber verteilen.
Hier liegt das echte Problem der Reform. Nicht alle Drafts sind gleich gut. Wembanyama ist ein Generationentalent. 2026 kommt ein überragender Jahrgang. Aber die Vergangenheit zeigt: Andrea Bargnani, Anthony Bennett, Greg Oden waren alle Nummer-1-Picks und wurden das nie, was sie hätten sein sollen. Es ist kein Unglück für eine Franchise, im schwachen Draft eine Eins zu ziehen und dann nächstes Jahr keine Chance auf eine weitere zu haben, wenn ein starker Jahrgang kommt. Der Unterschied zwischen Glück und schlechtem Timing ist in diesem System plötzlich unsichtbar.
Ballports-Take: Die Reform ist der richtige Schritt gegen systematisches Tanking, das den Wettbewerb beschädigt. Weniger Extreme in den Standings bedeuten bessere Basketball-Qualität über die ganze Saison. Für europäische Fans: Das ist das Problem, das Promotion und Relegation in anderen Sportligen eigentlich lösen würden. Die NBA hat anders entschieden und versucht es jetzt mit Anreizen. Für Fantasy-Spieler ändert sich wenig unmittelbar, aber langfristig sollte es vorhersagbarer werden, welche Teams wirklich schlecht sind und welche nur temporär kämpfen. Die Spurs-Beschränkung ist interessant zu beobachten: Kann ein Team trotz dieser Limits noch eine Dynastie bauen?