Die New York Knicks haben Samstagsnacht ihre dritte NBA-Meisterschaft gewonnen. Donnerstagmorgen folgte das, was in der Stadt noch nie zuvor stattgefunden hat: eine echte Ticker-Tape-Parade für das Team. Das liegt an einer Besonderheit der New Yorker Sportgeschichte. In den 1970ern, als die Knicks ihre ersten beiden Titel holten, ruhte die Tradition der Ticker-Tape-Paraden in Manhattan. Kombiniert mit 53 Jahren ohne Meisterschaft machte das den Donnerstagmorgen zu einem Ereignis, auf das die ganze Stadt gewartet hatte.
Die Tore öffneten sich um 6 Uhr morgens. Weniger als 90 Minuten später waren die Zuschauerbereiche bereits voll besetzt, obwohl die Parade erst drei Stunden später starten sollte. Fans reisten aus Long Island und New Jersey an, Bahnhöfe in der gesamten Metropolregion waren in den frühen Morgenstunden ungewöhnlich überlaufen. John Kaplan saß bereits um 4:20 Uhr in der PATH-Station in Hoboken. Die Nacht nach dem Titelgewinn habe er mit Freunden gefeiert, erzählte er ESPN. Am nächsten Morgen fragten ihn alle, wann er zur Parade gehen würde. "PM?", hätten sie ungläubig nachgehakt, als er sagte, er fahre um vier los. "Was redest du denn?" habe er geantwortet. "AM natürlich."
Alfonso Alcaide kam noch früher. Der Fan aus Washington Heights fuhr um ein Uhr nachts los, um auf keinen Fall einen guten Platz zu verpassen. Er trug einen Ziegenkostüm-Overall, schwenkte die Flagge der Dominikanischen Republik und hatte sogar Kochbananen mitgebracht. An der Battery Place, noch Stunden bevor die Parade startete, reflektierte Alcaide über seinen Einsatz. "Es hat die ganze Aufregung absolut gerechtfertigt", sagte er um 8:12 Uhr morgens, nach fast 36 Stunden ohne Schlaf. "Letzte Nacht habe ich mir gedacht: Man lebt nur einmal, das ist eine einmalige Chance. Da musste ich einfach hin."
Christian Crimmins war um 3:30 Uhr aufgestanden, um aus Bridgewater, New Jersey mit dem Zug in die Stadt zu fahren. Um 5:35 Uhr stand er bereits in der Schlange. Der Zug war voll mit Knicks-Fans, erzählte er, nur ein anderer Passagier sah nicht sonderlich begeistert aus. "Es wird fantastisch", sagte Crimmins. "Samstagabend in der Stadt, überall diese Fans, alle zusammen. Ich glaube, jemand nannte es Masseneuphorie. Heute wird es genauso sein."
Kaplan, der 31 Jahre auf diesen Moment gewartet hatte, brachte es auf den Punkt. Tickets für die Spiele der Saison waren teuer gewesen, unerreichbar für viele. Aber die Parade war kostenlos und bot etwas, das Geld nicht kaufen konnte: ein Wiedersehen mit den Spielern, Trainern und der ganzen Fangemeinde in einem Moment der gemeinsamen Freude.
Für deutsche Fans ist die Geschichte ein faszinierender Einblick in die Sportkultur New Yorks und die fast mythische Kraft, die ein Meistertitel über eine ganze Stadt ausüben kann. Dass 53 Jahre ohne Titel zu einer solchen Obsession führen, zeigt auch, wie wichtig kontinuierlicher Erfolg für die emotionale Bindung ist. Wer die Knicks verfolgt, darf sich freuen, dass sie offenbar wieder ein Tier-1-Team werden. Die Eastern Conference wird um einiges spannender mit einem starken New York Squad im Mix.