Die Memphis Grizzlies haben in der Nacht zum Mittwoch ihren nächsten großen Schritt gemacht: Mit dem dritten Pick des NBA-Drafts sicherten sie sich Cameron Boozer von der Duke University. Der Forward wird Teil eines Umbruchs, den die Grizzlies seit 2025 vorantreiben. Damals entließ der Klub seinen langjährigen Coach Taylor Jenkins weniger als einen Monat vor Beginn der Playoffs. General Manager Zach Kleiman deutet an, wohin die Reise gehen soll: Die Grizzlies verfügen über eine Armada von First-Round-Picks und bauen eine junge Mannschaft auf, die schon bald sprechen könnte. Mit Boozer bekommen sie noch einen weiteren Baustein für dieses Projekt.
Boozer war in seinem einzigen College-Jahr dominant. Bei Duke führte der 18-Jährige die gesamte NCAA mit einem Box Plus-Minus von 17.1 an. Pro Spiel kam er auf 22.5 Punkte, 10.2 Rebounds, 4.1 Assists und 1.4 Steals. Dazu schoss der Sohn des zweimaligen NBA All-Stars Carlos Boozer 39.1 Prozent aus der Distanz. Die Scouts sind sich einig: Boozer ist der NBA-ready Player dieser Draft-Klasse, jemand, der sofort etwas beitragen kann.
In Memphis soll Boozer direkt die Spacing-Probleme lösen und Cedric Coward entlasten, der ebenfalls als Facilitator fungieren kann. Mit dem älteren Zach Edey könnte Boozer oben eine physikalische Frontcourt bilden, sofern sich Edey von seiner März-Operation am linken Knöchel erholt. Coach Tuomas Iisalo wird auch Boozers natürliches Spielverständnis zu schätzen wissen: Der Forward hat ein Gefühl für das Spiel und kann als offensiver Hub funktionieren, nicht nur als reiner Scorer.
Auf der anderen Seite muss Boozer wachsen. Defensiv fehlt ihm die ideale Körpergröße, die Mobilität und die Vertikalität. Die Physis und Führungsqualitäten sind da, aber gegen NBA-typische Power Forwards wird er hart arbeiten müssen. Boozer passt aber in die Kultur, die Memphis aufbauen will, während Ja Morant noch irgendwo am Horizont schwebt. Der Star-Guard wird frühestens im Sommer tradierbar, die Grizzlies müssen also erst noch klären, wie lange sie ihn noch im Kader haben.
Für deutsche Fans, die Duke-Basketball verfolgen oder sich für europäische Trainer in der NBA interessieren, ist Boozer interessant: Mit Iisalo sitzt dort ein Europäer auf der Bank, der unkonventionelle Offense spielen lässt. Boozer wird zeigen müssen, ob seine College-Dominanz sich auch gegen NBA-Defense auszahlt. Die Grizzlies haben mit Young Talent wie Wells und Edey schon viel investiert, Boozer ist jetzt der nächste Dominostein in einem Rebuild, der schneller voranschreiten könnte als erwartet. Wer die Franchise-Entwicklung in Memphis verfolgt, sollte Boozer auf dem Radar haben, er könnte ein Sleeper-Pick für Fantasy-Basketball werden.