Die Chicago Bulls haben ihre Neuausrichtung vorangetrieben und North Carolina Forward Caleb Wilson mit dem vierten Pick des NBA-Drafts geholt. Wilson ist 2,06 Meter groß, erzielte in dieser College-Saison im Schnitt 19,8 Punkte bei 58 Prozent Feldwurfquote und holte 9,4 Rebounds pro Spiel. Scouts sehen in ihm einen der athletischsten Spieler dieses Draft-Jahrgangs mit enormem Potenzial.
Eine Fußnote: Wilson brach sich im frühen März den Daumen und verpasste daraufhin das NCAA-Turnier. Das setzte ihn ins Hintertreffen gegenüber den drei vor ihm gewählten Spielern. Dennoch war sein Produktionssprung an der University of North Carolina, kombiniert mit seiner Beweglichkeit auf dem Parkett und seinem hohen Motor, überzeugend genug, dass Chicago nicht lange zögerte. Die Bulls brauchten dringend einen Impact-Player in der Frontcourt, denn ihr Roster war bislang sehr guard-lastig.
Wilson selbst sieht die Verletzung in einem anderen Licht. "Ich fühle mich großartig und glaube, dass das passieren musste," sagte er ESPN. "Ich bin dankbar für die Chance, in der NBA zu spielen. Ich glaube, ohne diese Verletzung wäre ich nicht in der Position, in der ich jetzt bin." Ein bisschen Glück brauchten die Bulls auch beim Draft Lottery im Mai. Mit nur 20,3 Prozent Chancenquote schnappten sie sich den vierten Pick und damit einen Platz in der Elite dieser Draft-Klasse, wo auch AJ Dybantsa von BYU, Darryn Peterson von Kansas und Cameron Boozer von Duke zirkulierten.
Wilson ist der erste Draft-Pick unter Bryson Graham, dem neuen Vice President of Basketball Operations der Bulls. Graham wurde nach der Saison angeheuert, um das Front Office zu leiten, und hat bereits einen Trainer geholt: Tiago Splitter, der vorher Interim Head Coach der Portland Trail Blazers war. Die Bulls haben noch einen weiteren First-Round-Pick auf Platz 15 und Salary-Cap-Flexibilität, um den Kader diesen Sommer umzubauen.
Einen Déjà-vu-Moment gibt es: Vor sechs Jahren waren die Bulls in einer ähnlichen Situation. Sie hielten Pick vier, hatten einen neuen Basketball Operations Chef und einen neuen Head Coach. Damals wählten sie Patrick Williams. Williams entwickelte sich zu einem soliden Rollenspieler, erfüllte aber nie die Erwartungen, die mit seiner Position einhergingen. Erschlimmert wurde das, als er 2024 einen Fünfjahres-Vertrag über 90 Millionen Dollar erhielt. Chicago hofft, dieses Mal bessere Entscheidungen zu treffen.
für deutsche Fans, die die NBA verfolgen, ist Wilsons Ankunft in Chicago interessant, weil es zeigt, wie schnell sich ein neues Front Office definieren will. Graham und Splitter hatten keine Zeit, große Fehler zu machen. Wilson als risikofreudige Wahl mit hohem Ceiling macht Sinn für ein Team, das eine schnelle Neuausrichtung braucht. Sein Potenzial ist höher als sein bisheriger Body of Work, aber genau das ist der Gamble, den junge Exekutiven nehmen müssen. In der NBA-Fantasy ist Wilson ein klassischer Rookie-Flier mit upside, sobald er fit ist. Wie schnell er sich an die Profis anpasst, werden die ersten Wochen der Saison zeigen.