29 Punkte Rückstand mit neun Minuten und 40 Sekunden verbleibender Zeit im dritten Viertel. Das war die Ausgangslage für die New York Knicks im vierten Spiel der NBA Finals gegen die San Antonio Spurs. Was folgte, war das größte Comeback in der Geschichte der Finals. Die Knicks gewannen 107-106 und schnappten sich damit eine 3-1-Führung in der Best-of-Seven-Serie.
Latrell Sprewell stand nach dem Spiel auf dem Court der Madison Square Garden und konnte kaum Worte finden für das eben Erlebte. Der einstige Star von Knicks-Legende Patrick Ewing aus dem Jahr 1999 beschrieb später seine Gedanken während des Comebacks: "Wir haben einfach gedacht, lass es enger werden. 25 Punkte, 20 Punkte, 15, 10. Den Druck auf sie ausüben." Auch der heutige Knicks-Captain Jalen Brunson war damals dabei, allerdings erst drei Jahre alt, während sein Vater Rick als Rollenplayer auf jenem Team agierte.
Das Comeback war so emotional, dass nach dem Spiel Knicks-Legenden aus fünf Jahrzehnten das Spielfeld füllten. Freunde, Familie und Prominente strömten aus den Rängen herunter. Die Sicherheit ließ sie gewähren, denn alle wussten: Niemand verlässt dieses Feld heute Nacht. Sprewell selbst nahm sein Handy heraus und filmte Frank Sinatras "Theme From New York, New York", das gerade über die Lautsprecher lief. "Wir brauchen noch eins", sagte er leise in die Kamera. "Nur noch eins."
Die dramatische Wendung des Spiels war auch für Carmelo Anthony nicht zu verpassen, der als langjähriger Knicks-Star auf der Bank saß und lautstark Anweisungen auf den Court brüllte. Kurz vor dem entscheidenden Punkt schrie er: "Der Offensive Rebound ist da! Der Offensive Rebound ist da!" Nach sieben Saisons bei den Knicks, 10.186 Punkten und sechs All-Star-Selections war dies sein erstes Mal in den Finals. Metta World Peace umarzte Anthony nach dem Spiel mit den Worten: "Du verdienst das! Du hast das angefangen."
Für die Stadt New York wäre es der erste Titel seit 1973. Sprewell und die 1999er-Mannschaft bekamen damals nur einen Versuch gegen die Spurs und verloren diese Serie klar. Patrick Ewing konnte wegen einer Achillesverletzung nicht mal antreten. Die harte Realität im Basketball: Manchmal bekommt man nur eine Chance im Leben. Manchmal nicht mal die.
ballports-Fans, die die NBA verfolgen, erleben gerade eines der größten Narrative in der Basketball-Geschichte mit. Ein Team, das 53 Jahre auf einen Titel wartet, eine Stadt, die verzweifelt danach hungert. Jalen Brunson als Captain hat die Chance, was sein Vater 1999 verpasst hat. Ob das gelingt, entscheidet sich in Spiel fünf. Für deutsche Fans mit NBA-Fokus: Markiert diese Serie als Must-Watch, falls noch nicht geschehen.