NEW YORK – Die San Antonio Spurs standen mit dem Rücken zur Wand. Nach zwei Niederlagen im Madison Square Garden hätte die Serie für sie gelaufen sein können. Stattdessen zeigten sie am Montagabend in Game 3, wer sie wirklich sind. Mit 115:111 besiegten sie die New York Knicks und unterbrachen deren beeindruckende Serie von 13 Playoff-Siegen in Folge.
Vom ersten Moment an war klar: Die Spurs wollten anders spielen als in den beiden vorherigen Spielen. Sie holten sich im ersten Viertel wieder einen zweistelligen Vorsprung, genau wie in Games 1 und 2, doch diesmal behielten sie die Kontrolle. Ihr Spiel basierte auf dem, das Trainer Mitch Johnson immer wieder betont: Hart in der Defense, intelligent beim Ball bewegen, unselfish spielen. 28 Assists verteilten sie auf dem ganzen Court, De'Aaron Fox führte mit acht Assists und zwölf Punkten an. Sechs verschiedene Spurs landeten mindestens zehn Punkte. Noch wichtiger: Sie spielten wie eine Einheit, nicht wie sechs einzelne Scorer.
Von der Bank aus hätte man den Unterschied klar sehen können. Castle, Dylan Harper und Fox ständig die Paint angreifend, schnelle Pässe, Screens gesetzt, dem Mitspieler vertraut. "Wenn das Momentum weg ist oder ein Play nicht klappt, haben sie sofort nach dem Teammate gesucht statt zu erzwingen", erklärte Johnson hinterher. "Das macht es für alle anderen leichter, den Ball zu erwarten und zu wissen, was kommt."
Aber die Geschichte dieses Spiels gehört zwei jungen Spielern. Victor Wembanyama und Stephon Castle schrieben NBA-Finals-Geschichte. Sie waren das erste Duo von Teammates, beide 22 Jahre oder jünger, das jemals 20 Punkte oder mehr in einem Finals-Spiel erzielte. Wembanyama dominierte mit 32 Punkten, acht Rebounds, sechs Assists und drei Blocks. Castle trug 23 Punkte, fünf Rebounds und fünf Assists bei. Zusammen waren es 55 Punkte, die meisten dieser beiden in einem Playoff-Spiel ohne Verlängerung in dieser Saison.
Nach dem Spiel wirkte Wembanyama nachdenklich, nicht euphorisch. Er erzählte, dass er sich bewusst Zeit zum Entspannen genommen hatte, dass er im Gramercy Park saß und eine Statue skizzierte. "Die Playoffs sind wie ein Wirbelsturm", sagte er. "Manchmal habe ich nicht mal Zeit, die Spiele hinterher zu schauen. Mein Gehirn braucht Zeit, herunterzufahren. Genauso wie der Körper." Das ist die Mentalität, die die Spurs in diesem Moment brauchen. Nicht Hektik. Nicht Panik vor einem 0:2-Rückstand. Sondern Vertrauen in das, was sie können.
Wembanyama gesellte sich damit zu Tim Duncan, dem einzigen anderen Spur der Geschichte, der in drei aufeinanderfolgenden Finals-Spielen 25 Punkte oder mehr erzielte. Keldon Johnson, der Sixth Man of the Year, erklärte nach dem Spiel, warum dieses Vertrauen so tief sitzt: "Wir kennen nichts anderes. Das ist unser Basketball, seit Gregg Popovich hier war, und jetzt unter Mitch. Wenn wir unser Spiel spielen, können wir gegen jeden bestehen."
Die Spurs haben bewiesen, dass sie noch nicht bereit sind zu gehen. Mit dieser Niederlage gegen San Antonio haben die Knicks erstmals ihre Dominanz verloren. Die Serie ist wieder offen, und die Spurs sind wieder in ihr Spiel gefunden. Für deutsche Basketball-Fans mit Interesse an San Antonio geht es jetzt um die entscheidende Frage: Können die Spurs diesen Schwung mitnehmen? Wembanyama und Castle als Leitfiguren einer jungen, intelligenten Mannschaft sind faszinierend zu beobachten, zumal sie zeigen, dass moderne NBA auch bedeutet, den Ball zu bewegen statt ihn zu halten. ballports sollte diese Finals im Auge behalten, denn solch ein Comeback-Narrativ mit jungem Talent ist genau das Zeug für spannende Basketball-Geschichten.