WNBA verschärft Regelauslegung gegen zu viel Körpereinsatz
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WNBA verschärft Regelauslegung gegen zu viel Körpereinsatz

Die WNBA kämpft gegen zunehmende Härte im Spiel und merkt dabei, dass der Weg dahin nicht ganz schmerzlos verläuft. In der ersten Woche der Saison ist die Foulquote gestiegen: Teams kassieren durchschnittlich 21,6 Fouls pro Spiel, das sind knapp zwei mehr als im Vorjahr zur gleichen Zeit (19,9 Fouls). Im weiteren Saisonverlauf sank diese Quote zwar wieder auf 17,5 Fouls pro Team.

Monty McCutchen, Leiter der WNBA-Schiedsrichter, sieht darin eine erwartbare Übergangshälfte. "Wenn wir die raue Spielweise der vorherigen Saisons wirklich abstellen wollen, müssen zu Beginn die Fouls steigen. Das ist keine überraschende Entwicklung", erklärte McCutchen der Associated Press. Die Liga hat in der Offseason eine Schiedsrichter-Taskforce gegründet, an der auch Spielerinnen und Trainer wie Minnesota-Coach Cheryl Reeve beteiligt waren. Das Ziel: mehr Kontrolle über körperliche Härte, dafür aber auch freiere Spielzüge.

Sue Blauch, Leiterin der Schiedsrichter-Entwicklung, betont, dass keine neuen Regeln entstanden sind. "Wir mussten strenger durchsetzen, was ohnehin schon in den Richtlinien stand. Das Thema war: Bewegungsfreiheit konsequenter gewährleisten", sagt Blauch. Allerdings zeigt sich bereits eine Überkorrektur. McCutchen spricht von einer vorübergehenden "Überkalibrierung" beim Thema Bewegungsfreiheit. Die regelmäßigen Treffen der Taskforce sollen gewährleisten, dass die Abstimmung zwischen den Schiedsrichtern immer präziser wird.

Doch für die Spielerinnen ist die Anpassung spürbar unbequem. Breanna Stewart von den New York Liberty beschreibt das Phänomen deutlich: Nach einem Overtime-Sieg gegen Washington brauchte das Spiel 2 Stunden und 41 Minuten. "Das ist verrückt. Es zerstört den Spielfluss", sagte Stewart. Auch Arike Ogunbowale von den Dallas Wings musste umdisponieren: "Ich hatte drei Fouls in der ersten Halbzeit, fast wäre ich gefoult. Wir müssen uns halt anpassen." Besonders interessant: Die technischen Fouls sind nicht parallel gestiegen. Mit 21,9 Freiwürfen pro Spiel gibt es kaum mehr als im Vorjahr (21,4 zu dieser Zeit).

Caitlin Clark von den Indiana Fever erhielt ein technisches Foul gegen Los Angeles, sah das ganze Projekt aber wohlwollend: "Die Schiedsrichter machen großartige Arbeit. Das technische Foul war berechtigt. Das ist gut für das Spiel." Reeve gibt zu, dass auch ihr Team manchmal ratlos ist: "Wir sind nicht die einzigen, die sich fragen, warum jede zweite Aktion gepfiffen wird."

Ballports-Take: Für europäische Fans, die die WNBA verfolgen, ist das ein wichtiger Moment. Die Liga versucht bewusst, das Spiel offensiver und weniger körperlich zu machen, was langfristig mehr Punkte und Spielfluss bedeuten sollte. Die aktuelle Phase mit der erhöhten Foulquote ist ein Lernprozess, den auch die Schiedsrichter gemeinsam mit den Spielerinnen durchlaufen. Wer Draft-relevante Spielerinnen beobachtet, sollte berücksichtigen, dass sich der Spielstil in den nächsten Wochen noch normalisiert. Die Grundintention ist klar: Die WNBA will schneller, athletischer und weniger gehemmt spielen.

Originalquelle: ESPN / NBAOriginal lesen →
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