Im Frost Bank Center hängt ein Banner, das sich von allen anderen unterscheidet. Neben den Nummern von Tim Duncan, Manu Ginobili und Tony Parker prangt dort «POP 1,390» unter fünf Sternen. Es ist Gregg Popovichs NBA-Rekord für reguläre Saisonsiege als Trainer der San Antonio Spurs. Als die Franchise das Banner Ende Oktober aufhängte, geschah es diskret. Keine Zeremonie, keine Durchsage. Das war Popovich-Stil.
Der 77-Jährige war im November 2024 nach einem Schlaganfall zurückgetreten. Inzwischen arbeitet er als Präsident der Basketball-Abteilung und absolviert seine Reha-Einheiten unter Tim Duncans Augen am Victory Capital Performance Center. Wenn die aktuellen Spieler ihn dort sehen, umringen sie ihn sofort. «Es ist großartig, Pop in der Nähe zu haben», sagte Point Guard Stephon Castle. «Besonders jetzt, wenn die Spiele wirklich zählen. Er hat mehr durchlebt als jeder andere in unserer Organisation. Mit ihm kannst du über absolut alles reden, nicht nur Basketball.»
Die Szene zeigte sich deutlich nach Game 4 der Western-Conference-Semifinals gegen Minnesota. Victor Wembanyama war wegen eines Ellenbogens gegen Naz Reid vom Platz gestellt worden. Popovich wartete auf den 22-jährigen Franzosen am Flughafen. Ein lokaler Sender dokumentierte, wie Popovich zu Wembanyama sprach, die Arme hinter dem Rücken, im schwarzen Nike-Trainingsanzug. Wembanyama hörte konzentriert zu. «Ich werde nicht preisgeben, was er gesagt hat», erklärte der Youngster nach Game 5. «Aber vielleicht wollte er durch seine Präsenz selbst eine Aussage treffen. Er gibt uns regelmäßig Feedback, spricht mit uns in der ganzen Serie. Wenn Pop spricht, hört jeder zu.»
Die Spurs sind ein junges Team. Von den zehn Spielern in der Rotation sind sieben unter 26 Jahren alt. Nur De'Aaron Fox hat vor diesen Playoffs Erfahrung gesammelt. Keiner der anderen neun hatte jemals ein Playoff-Spiel bestritten, bevor diese Serie begann. Deshalb ist Popovichs Einfluss unverzichtbar. Obwohl er nicht mehr selbst trainiert, durchzieht seine Stimme die Trainingseinheiten. Der neue Trainer Mitch Johnson und GM Brian Wright haben die Struktur geschaffen, die Popovich aufgebaut hat, und jetzt lehren sie diese «Spurs Way» an die nächste Generation weiter.
Wenn San Antonio am Freitag in Game 6 über Minnesota triumphiert, erreichen die Spurs erstmals seit 2017 die Western Conference Finals. Das wäre Popovichs Erbe in voller Wirkung: nicht als Trainer, sondern als Lehrer, der von überall im Gebäude spricht.
Ballports-Take: Das ist der Unterschied zwischen einer erfolgreichen Franchise und den anderen. Die Spurs haben Popovich nicht einfach in den Ruhestand geschickt, sondern integrieren sein Wissen systematisch in die aktuelle Mannschaft. Ein junges Team mit beschränkter Playoff-Erfahrung lernt direkt von jemandem, der 1.390 reguläre Saisonspiele gewonnen hat. Für DACH-Fans, die die Spurs verfolgen, ist das ein Signal: Diese Organisation denkt langfristig und baut auf bewährte Prinzipien. Wembanyama spielt in einem System, das funktioniert, weil die besten Lehrer immer noch da sind.