Die vier Teams der NFC North wissen, worauf sie sich 2026 einstellen müssen. Eine Division, in der alle vier Franchises in der vergangenen Saison mit positiven Bilanzen endeten, das ist erst das zweite Mal seit der Realignment 2002 passiert. Jedes Team hat anders reagiert, aber alle haben das gleiche Ziel: den Konkurrenzkampf noch intensiver gestalten.
Die Detroit Lions haben ihre Offense komplett umgebaut. Das Herzstück dieser Veränderung ist die Verpflichtung von Drew Petzing als Offensive Coordinator. Dazu kam ein massiver Umbau der Offensive Line, weil Quarterback Jared Goff unter Druck fast nicht zu bremsen ist. Seine Total QBR fällt um 62 Punkte, wenn er gehetzt wird, verglichen mit Situationen, in denen er Zeit hat. Das ist das extreme Ende der Skala. Die Vikings haben sich Kyler Murray als neuen QB geholt. Die Packers verstärkten ihre Defense mit drei erfahrenen Free Agents. Die Bears wiederum folgten ihrer Philosophie, dass man nie zu viele talentierte Tight Ends haben kann, und holten sich Stanford-Star Sam Roush in der dritten Draft-Runde.
Bei den Lions überrascht vor allem, was die Franchise aufgegeben hat. Taylor Decker war der dienstälteste Spieler der Organisation, doch die Lions trennten sich von ihm. Auch Graham Glasgow wurde entlassen, um 5,6 Millionen gegen die Salary Cap zu sparen. Running Back David Montgomery, jahrelang ein Eckpfeiler des Offensiv-Systems, wurde zu den Houston Texans gehandelt. Das sind radikale Schnitte für eine Mannschaft, die unter GM Brad Holmes und Head Coach Dan Campbell auf Grit und Loyalität aufgebaut wurde.
Die Offensive Line war das Schlüsselthema beim Umbau. Blake Miller von Clemson kam mit Pick 17. Dazu gesellten sich drei weitere Linemen hinzu: Center Cade Mays von den Panthers, Offensive Lineman Larry Borom (ehemals Dolphins) und Guard Ben Bartch als Free Agent. Improved Pass Protection ist alles für Goff, dessen Stats das belegen.
Den unterschätztesten Move machten die Lions mit der Verpflichtung von Isiah Pacheco. Der Running Back soll Montgomery ersetzen und bringt einen vollkommen anderen Stil mit: aggressiv, direkt, gewalttätig im positiven Sinne. Jahmyr Gibbs' Speed und Pachecos Power könnten sich in der Backfield ideal ergänzen. Pacheco selbst verspricht sich einen Neuanfang. In der vergangenen Saison waren es nur 462 Rushing Yards in 13 Spielen und zwei Touchdowns insgesamt, ein enttäuschender Verlauf. Aber jetzt hat er die Chance, das zu korrigieren.
GM Holmes war dabei klar auf Mission: Spieler wie Pacheco sollten die Blue-Collar-Identität der Lions wiederherstellen. Nach dem Playoff-Aus brauchte es einen Reset. "The urgency needed to be more pushed up on everything", sagte Holmes. Mit Petzing an der Offensive Line und einem neu zusammengestellten Backfield könnte diese Urgency endlich sichtbar werden.
Ballports-Take: Die Lions spielen 2026 mit einer völlig neuen Balance. Jared Goff kriegt Zeit, die Offensive Line ist massiv verstärkt, und der Backfield hat zwei unterschiedliche Charaktere. Pacheco ist im Fantasy-Football ein absoluter Sleeper Pick, wenn Gibbs nicht wieder alle Carries bekommt. Für deutsche Fans ist vor allem Petzings Einfluss spannend, weil er die Offense modernisieren soll, ohne dass die Lions ihre Mentalität aufgeben. Die Frage ist: Reicht das, um wieder in die Playoffs zu marschieren? Die Vegas-Odds trauen es den Lions zu, und Mike Clay prognostiziert 12 Wins. Das ist ambitioniert, aber nicht unrealistisch, wenn die Offensive Line liefert.