Die Big Ten hat ein beeindruckendes Kunststück vollbracht: Vier Jahre in Folge, vier verschiedene Champions. Michigan 2023, Ohio State 2024, Indiana 2025. Jetzt könnte Oregon an die Reihe kommen.
Dan Lannings Ducks haben etwas, das die anderen Teams nicht haben: eine dreijährige Serie ohne Niederlage gegen jedes Team, das nicht am Schluss um den Titel spielte. Das ist nicht einfach nur Kontinuität, das ist dominante Konsistenz. Oregon hat 200 der Snaps von 2025 noch in seinem Kader, was in einer Zeit der wilden Roster-Umwälzungen durch den Transfer Portal praktisch eine Seltenheit ist. Nur acht Teams in der ganzen Big Ten können mit ähnlich stabilen Ausgangsbedingungen in die Saison gehen.
Aber Oregon steht nicht allein da. Ohio State startet als Nr. 1 in der SP+-Tabelle – ein Indiz für jene, die gerne Statistik als Kompass nehmen. Die Buckeyes haben bewiesen, dass sie alle zehn Jahre neu erwachen können, wenn die Sterne richtig stehen. USC hat nach Jahren der Mittelmäßigkeit wieder in die Rekrutierung investiert und will zu den alten Zeiten zurück. Und dann ist da noch Indiana, die größte Sensation der vergangenen zwei Jahre. Die Hoosiers sind wie aus dem Nichts zur Elite aufgestiegen und haben jeden eines Besseren belehrt.
Die Realität der Big Ten ist brutal hierarchisch. In der vergangenen Saison hatte die Conference drei Teams, die besser waren als jedes Team der SEC – und sieben Teams, die schlechter waren als jedes Team der SEC. Das ist keine Überraschung, sondern Normalität geworden. Penn State und Iowa hätten großartige Saisons haben können, wurden aber durch eng verlorene Spiele zerstört. Penn State trennte sich von Trainer James Franklin, nachdem drei solcher Niederlagen in Folge seine Bilanz ruinierten. Michigan, Illinois und Minnesota dagegen wurden durch die gleiche Brutalität gestützt – eng gewonnene Spiele, die sie nach oben trugen.
Oregon verfügt über eine seltene Kombination: etablierte Spielweise, bewährte Kontinuität im Kader und einen Trainer, der weiß, wie man große Erwartungen erfüllt. Die Ducks haben jahrzehntelang nach dem Titel gestrebt. 2026 könnte ihr Jahr sein. Ohio State wird vermutlich wieder eine Überraschung sein, Indiana könnte erneut alles umkrempeln – aber Oregon wirkt wie die wahrscheinlichste Antwort auf die Frage, wem die nächste National Championship gehört.
Für DACH-Football-Fans ist Oregon eine interessante Gattung: Das Team hat die Infrastruktur und Kontinuität, um es durch eine ganze Saison zu verfolgen, ohne dass ständig die Besetzung wechselt. Wer das Hadern mit chaotischen Roster-Veränderungen satt hat und ein Team sucht, das stabil und vorhersehbar bleibt, findet bei den Ducks einen guten Ankerpunkt. Gleichzeitig bleiben Indiana und Ohio State die wildcard-Teams, die zeigen, dass in der modernen College-Football ungerechnet noch immer Überraschungen möglich sind. Die Big Ten 2026 wird wieder oben dicht, in der Mitte schwach und insgesamt faszinierend.