Die Buffalo Bills werden O.J. Simpson nicht unter ihren Legenden im neuen Highmark Stadium würdigen. Pete Guelli, President of Business Operations der Bills, begründete die Entscheidung so: "Wir haben organisatorisch entschieden, dass er nicht passt, um in unserem neuen Stadium und im Family Circle ausgestellt zu werden."
Das Team plant, seine Legenden in einem Family Circle Bereich außerhalb des neuen Stadions zu ehren. Dieser Bereich soll die Geschichte des Teams und der Region Western New York erzählen. Dort werden auch drei Bison-Statuen aufgestellt, ein Gathering Point für Fans das ganze Jahr über. Andere Namen von der Wall of Fame des Teams werden in diesem Bereich angebracht. Simpson wird der einzige sein, der fehlt.
Bis zum Frühjahr dieses Jahres hatte die Organisation noch debattiert, ob Simpson aufgenommen werden sollte. Das Design Team bereitete sich auf beide Szenarien vor. Im alten Stadium war Simpsons Name seit 1980 Teil der Wall of Fame, als erste Induktion überhaupt. Trotz jahrelanger öffentlicher Diskussionen blieb sein Name dort hängen.
Die Bills drafteten Simpson 1969 an erster Stelle und er spielte neun Saisons für die Organisation. 1973 wurde er der erste Running Back der NFL Geschichte, der 2.000 Rushing Yards in einer Saison schaffte, mit genau 2.003 Yards. Er wurde fünfmal First-Team All-Pro gewählt. Simpson starb im April 2024 nach einem Krebsleiden, 76 Jahre alt. Die Bills reagierten damals auffallend kühl auf seinen Tod und veröffentlichten keine offizielle Stellungnahme.
Der Grund für die Distanzierung liegt in Simpsons Vergangenheit. 1994 war er eine Person of Interest in den Todesfällen von Nicole Brown Simpson und Ronald Goldman. Die weltberühmte Gerichtsverhandlung 1995 endete mit einem Freispruch für alle Anklagen. Zwei Jahre später fand ein Zivilgericht ihn jedoch in einem Wrongful Death Fall haftbar und verurteilte ihn zu 33,5 Millionen Dollar Schadensersatz an die Familien Brown und Goldman. Simpson bestritt die Vorwürfe bis zu seinem Tod. Er bleibt im Pro Football Hall of Fame eingetragen.
Für deutsche Fans ist die Entscheidung der Bills ein klares Signal dafür, wie die NFL ihre historische Verantwortung neu bewertet. Während Simpsons athletische Leistungen unanfechtbar sind, trennt die Organisation konsequent die sportliche Karriere von den persönlichen Konsequenzen und dem gesellschaftlichen Kontext. Das neue Stadium wird nicht alle Kapitel der Bills-Geschichte gleichgewichtig darstellen. Es ist eine bewusste kuratorische Entscheidung, die zeigt, dass Legacy im modernen Sport neu definiert wird.