Joe Burrow zieht Bilanz einer kritischen Offseason
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Joe Burrow zieht Bilanz einer kritischen Offseason

Cincinnati hatte keine Zeit für Experimente in diesem Offseason. Nach einer enttäuschenden 6-11-Saison 2025 und drei verpassten Playoffs in Folge handelte die Bengals-Franchise ungewöhnlich entschlossen. Die Defensive wurde massiv umgebaut, angefangen mit Pro-Bowl-Defensive-Tackle Dexter Lawrence II. Joe Burrow sprach bei zwei Pressekonferenzen während der Workouts mehrfach über die kommende Saison, und seine Aussagen offenbaren, worauf Cincinnati jetzt fokussiert.

Burrows erste Beobachtung betraf die Kommunikation in der Defense. "Es war interessant zu sehen, wie die Defensive in den Walkthroughs miteinander redet. Wer wird Verantwortung übernehmen? Wer tritt in eine Führungsrolle? Das sind viele Fragezeichen, aber wir werden Antworten finden", sagte der Quarterback. Das klingt nach einer nebensächlichen Bemerkung, aber es adressiert ein echtes Problem aus der vergangenen Saison. Die beiden Defensive Captains von 2025, Trey Hendrickson und Logan Wilson, haben die Saison nicht beendet und sind nicht mehr im Kader. Hendrickson wurde nicht behalten, Wilson wurde tradiert und ist mittlerweile zurückgetreten. Um dieses Vakuum zu füllen, holte Cincinnati bewährte Veteranen von erfolgreichen Teams: Edge Rusher Boye Mafe von den Seattle Seahawks, Safety Bryan Cook von den Kansas City Chiefs und Safety Kyle Dugger von den New England Patriots. Zusammen mit jungen Spielern wie den Linebackern Barrett Carter und Demetrius Knight Jr. sollen diese Neuzugänge endlich wieder Struktur in die Defense bringen.

Burrows zweite wichtige Aussage betraf die Run-Game-Strategie. "Wir wollen explosive Läufe finden und daraus dann auch explosive Pass-Plays entwickeln. Dafür haben wir uns vollständig verpflichtet", erklärte er. Diese Aussage fiel im Kontext einer Diskussion über Under-Center- versus Shotgun-Formation. Für Cincinnati ist das keine akademische Frage: Die Bengals stehen bei über 82 Prozent Shotgun-Quote seit 2024, der zweithöchste Wert in der ganzen NFL. Das Problem ist real. Im vergangenen Jahr rangierte Cincinnati nur auf Platz 27 bei den 10-Plus-Yard-Läufen und auf Platz 20 in den Rush-Yards over Expected gegen leichte Boxes. Ein funktionierendes Laufspiel würde Defensen zwingen, sich weniger auf Ja'Marr Chase und Tee Higgins zu konzentrieren und würde damit auch die Passspiele öffnen.

Die dritte Aussage fasste die gesamte Offseason-Philosophie zusammen. "Wir haben großen Druck dieses Jahr. Wir haben alles, was wir brauchen. Wir sind in praktisch jeder Position tief besetzt", sagte Burrow. Das ist eine bewusste Ansage. Cincinnati hat keine Ausreden mehr. Nach drei Jahren ohne Playoffs und mit einer Defense, die nur 27. in Points Allowed per Drive rangierte, kommt jetzt der Reality-Check. Die Franchise hat investiert, die Löcher gestopft, die Veteranen geholt. Jetzt müssen Burrow, Chase und Higgins liefern.

Die Bengals stehen unter enormem Druck, und das wissen alle im Gebäude. Für deutsche Football-Fans, die dieses Team verfolgen, ist das die spannendste Phase: Nach Jahren des Wartens und Zuschauerens hat Cincinnati endlich wieder die Mittel, um konkurrenzfähig zu sein. Burrows Worte zeigen einen QB, der keinen Zweifel daran lässt, dass 2026 die Saison ist, in der alles zusammenkommen muss. Wer die Bengals beim Draft oder in Fantasy-Drafts berücksichtigt, sollte diese mentale Komponente einrechnen. Ein hungriges, gut besetztes Team ist immer ein potenzieller Sleeper für tiefe Playoff-Läufe.

Originalquelle: ESPN / NFLOriginal lesen →
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