PHOENIX - Alyssa Thomas von den Phoenix Mercury sitzt nach ihrer Einjahressperre in der Kritik, doch die größere Last trägt sie außerhalb des Platzes. Die Forward erhielt Todesdrohungen und rassistische Beleidigungen, nachdem sie in der Partie gegen Indiana Caitlin Clark mit ihrer Faust am Hals getroffen hatte. Das Spiel war am Mittwoch stattgefunden, die Liga stufte die Aktion später als Non-Basketball-Act ein und verhängte einen Flagrant Foul 2. Keine dieser Fouls wurde vom Schiedsrichter im Moment gepfiffen.
Thomas sprach am Dienstag bei der Team-Facility mit Reportern und machte klar, dass die Suspension selbst nicht ihr Hauptproblem ist. Die sechsfache All-Star betonte stattdessen ihre Sorge um die Sicherheit der Spieler außerhalb des Courts. Sie habe von der Sperre erst zehn Minuten vor der Veröffentlichung auf Social Media erfahren. Besonders verstörend für Thomas war die Reaktion in den sozialen Medien: Fans teilten rassistische Inhalte, posteten private Adressen und manipulierte Bilder, die nichts mit Basketball zu tun hätten. "Es ist unglücklich, dass es deswegen über Basketball dazu gekommen ist," sagte Thomas. "Viele von uns, mich eingeschlossen, wussten gar nicht, dass dieser Play stattgefunden hat, bis nach dem Spiel. Jetzt werden wir als Rüpel dargestellt. Es gibt Todesdrohungen gegen uns. Das ist wirklich inakzeptabel."
Thomas betonte mehrfach, dass sie selbst den Kontakt als vollständigen Unfall sieht. Aber sie nutzte die Gelegenheit, um WNBA-Kommissionärin Cathy Engelbert massiv zu kritisieren. Die Liga hätte zu wenig unternommen, um ihre Spieler zu schützen. Thomas sagte, die Kommissionärin habe sich bislang überhaupt nicht zu dem Fall geäußert. "Das überrascht nicht," meinte Thomas. "Man kann sehen, was in den sozialen Medien gesagt wird. Ja, es ist unglücklich, aber wie üblich bleibt sie stumm. Das ist unglücklich, wenn unsere Leben bedroht werden."
Die Indiana Fever erneuerten ihre Forderung nach besserer Spielersicherheit und verwiesen auf ein anderes Spiel zwischen beiden Teams zwei Tage vor dem Thomas-Clark-Incident. In dieser Partie wurden sechs technische Fouls gepfiffen und ein Spieler vom Platz gestellt. Clark, die Star-Rookie der Fever, erhielt ihr fünftes technisches Foul der Saison. Das Team beantragte, das Foul zu widerrufen, aber die WNBA lehnte ab. Fever-Trainerin Stephanie White war nach dem Spiel scharf: "Das war krass. Die Tatsache, dass es kein Foul war... Man muss das pfeifen. Du kommst hier an und weißt, was vor zwei Tagen passiert ist, und das passiert immer noch? Absolut inakzeptabel."
Thomas verbüßte ihre Sperre am Samstag gegen die Toronto Tempo. Die Mercury und Fever treffen am 9. Juli in Phoenix erneut aufeinander.
Für deutsche Basketball-Fans ist dieser Fall ein Beispiel für ein globales Problem: Die Grauzone zwischen hitzigen Spielzügen und echter Aggression wird durch soziale Medien und Fan-Überreaktionen zu einem Sicherheitsrisiko für Profis. Die WNBA-Kommission steht unter Druck, klarer zu kommunizieren und ihre Spieler auch abseits des Courts zu schützen. Deutschland hat mit solchen Vorfällen in den eigenen Ligen bislang weniger Erfahrung gemacht, doch die Dynamik sozialer Medien ist überall gleich. Thomas' Kritik an der Führungsebene ist ein Weckruf: Wo eine Liga Sicherheitsstandards auf dem Spielfeld durchsetzen will, muss sie auch die psychische und physische Sicherheit ihrer Profis online gewährleisten.