Brendan Sorsby wird spielen. Das hat ein Gericht in Lubbock, Texas, entschieden. Der Quarterback der Texas Tech Red Raiders, ESPNs Top-Transfer des Offseason, erhielt Montagabend eine einstweilige Verfügung, die die NCAA daran hindert, ihn dauerhaft zu sperren. Damit kann Sorsby die Saison antreten, obwohl er von der NCAA wegen Sportwetten permanent spieluntauglich erklärt worden war.
Sorsby hat zugegeben, über vier Jahre hinweg tausende Wetten abgeschlossen zu haben. Er setzte etwa 90.000 Dollar auf College- und Profisportspiele, während er bei Indiana, Cincinnati und Texas Tech spielte. Besonders brisant: 2022 wettete er auch auf seine eigene Indiana-Mannschaft. Die NCAA sah darin einen klaren Regelverstoß. Die Organisation lehnte Texas Techs Antrag auf Aufhebung der Strafe ab und sprach die permanente Suspendierung aus.
Der Richter am Lubbock County District Court entschied nun anders. Um Sorsby vor "irreparablen Schäden" zu bewahren, genehmigte er die einstweilige Verfügung. Sorsby muss allerdings zwei Spiele aussetzen, bevor er vollständig zurückkehren darf. Mit dieser Bedingung ist er aber freigegeben, um mit den defending Big 12 Champions zu trainieren und zu spielen, die zurück in den College Football Playoff wollen.
Jetzt stellt sich die Frage, wie die NCAA reagiert. Die Organisation kann gegen die Entscheidung vor dem texanischen Appellationsgericht Berufung einlegen. Ein NCAA-Sprecher sagte ESPN unmittelbar nach der Entscheidung, man habe die rechtliche Strategie noch nicht festgelegt. Allerdings wäre es überraschend, wenn die NCAA nicht versuchen würde, die Entscheidung durch einen sofortigen Appeal zu kippen. In einem früheren Gerichtsdokument argumentierten NCAAs Anwälte, dass Sorsby zu spielen zu lassen "die Integrität des College Athletics untergraben würde, indem es Verhalten belohnt, das in amerikanischen Sportarten universell verboten ist".
Sorsbys Anwälte argumentierten in ihrer Klage mit einem anderen Ansatz: Die NCAA breche ihr Versprechen, im besten Interesse der mentalen und physischen Gesundheit ihrer Athleten zu handeln. Sie behaupten außerdem, die Sperrung sei Diskriminierung gegen Sorsby, der eine diagnostizierte Spielstörung hat und deshalb in Behandlung ist. Ein Appeal der NCAA könnte noch vor Texas Techs Saisonstart am 5. September entschieden werden, da solche Verfahren zügig ablaufen können.
Diese Sorsby-Entscheidung ist Teil eines größeren Trends: Die NCAA verliert vermehrt vor Gericht. Während die meisten NCAA-Klagen der letzten Jahre um Antitrust-Verstöße kreisten, nutzt Sorsbys Fall eine andere Strategie erfolgreich. Anwälte argumentieren, dass NCAA-Regeln, die das Verdienpotenzial von Spielern begrenzen, gegen bundesweites Kartellrecht verstoßen. Sorsby hingegen argumentiert mit Vertragsbruch und Diskriminierung. Profisportligen wie die NFL umgehen solche Probleme durch Tarifverträge zwischen Besitzern und Spielergewerkschaften. Da College-Athleten keine Arbeitnehmer sind, haben sie keine rechtliche Grundlage für solche Verhandlungen.
Für deutsche Football-Fans ist Sorsby bisher weniger relevant als die großen College-Stars, die später in die NFL gehen. Aber die Sorsby-Entscheidung zeigt ein grundsätzliches Problem der NCAA: Sie verliert die Kontrolle. Immer mehr Athleten klagen erfolgreich gegen die Organisation, weil ihre Regeln vor Gericht nicht standhalten. Das könnte längerfristig das gesamte College-Football-System verändern. Wer Texas Tech verfolgt, sollte jetzt beobachten, ob die NCAA einen Appeal einreicht und wie schnell darüber entschieden wird. Die Saison beginnt in wenigen Wochen.