Myles Turner kritisiert fehlende Disziplin unter Doc Rivers
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Myles Turner kritisiert fehlende Disziplin unter Doc Rivers

Myles Turner hat nach seiner ersten Saison bei den Milwaukee Bucks ein überraschendes Bild vom Alltag unter Doc Rivers gezeichnet. Der Center, der im vergangenen Sommer für 108,9 Millionen Dollar über vier Jahre von den Indiana Pacers zu Milwaukee kam, sprach in Breanna Stewarts Podcast "Game Recognize Game" offen über mangelnde Struktur im Team. Rivers habe niemanden zu Geldstrafen verdonnert, sagte Turner, und das habe sich auf die ganze Mannschaft ausgewirkt.

Turner nannte konkrete Beispiele aus dem Alltag. Spieler seien zu Filmeinheiten erschienen, wann es ihnen passte. Andere hätten Meetings verpasst. Das ganze Team sei regelmäßig zu spät zum Flugzeug erschienen, manche sogar eine Stunde verspätet. Turner beschrieb, wie er schnell gelernt habe, selbst eine Stunde später zu erscheinen als mitgeteilt, weil er wusste, dass der Flug ohnehin nicht pünktlich startete. "Es war verrückt", sagte er.

Als Stewart ihn fragte, wer am häufigsten zu spät kam, war Turners Antwort eindeutig: Giannis Antetokounmpo. Der Franchise-Star könne erscheinen, wann er wolle, und niemand werde ihn bestrafen. Turner betonte aber auch eine Art Verständnis für diese Situation. Einmal erkannt, dass es keine Konsequenzen gebe, habe er sich gedacht: "Hey man, dann mach dein Ding." Das Problem war weniger Giannis persönlich als vielmehr die fehlende Durchsetzung von Standards durch Rivers.

Turners Aussagen bestätigen, was ESPN bereits während der Saison berichtet hatte: Es habe einen grundsätzlichen Disconnect zwischen Rivers und dem Spielerbestand gegeben. Das Trainingslevel sei niedrig gewesen, hinzu kam ein unbehagliches Teameeting im März, in dem Rivers eine "Entweder mit uns oder gegen uns"-Ultimatum gestellt haben soll. Die Konsequenz war eine desaströse 32-50-Saison, die Milwaukees neunjährige Playoff-Serie beendete. Am 13. April gab der Klub bekannt, dass Rivers nicht weitermachen werde. Taylor Jenkins, ehemaliger Coach der Memphis Grizzlies und früherer Assistant in Milwaukee, übernimmt das Amt.

Turner will nun sehen, ob der neue Coach die Disziplin wieder herstellt. Bei allen anderen Teams, auf denen er gespielt habe, seien Geldstrafen selbstverständlich gewesen, wenn Spieler zu spät kamen, Training, Film oder medizinische Behandlungen verpassten. Das sei für ihn neu gewesen, und er hoffe, dass Jenkins diesen Standard wieder etabliert.

Die Aussagen fallen in einen kritischen Moment für die Bucks. Giannis Antetokounmpo, der Franchise-Star und zweimalige MVP, hat signalisiert, dass er das Team verlassen möchte. League und Team Sources berichteten ESPN, dass die Bucks offen für Handelsangebote sind. Co-Owner Jimmy Haslam hat angegeben, dass eine Entscheidung vor dem NBA-Draft am 23. und 24. Juni fallen soll.

Ballports-Take: Für deutsche Fans der Bucks ist Turners Einblick ein warnendes Beispiel dafür, wie schnell eine Toporganisation in Chaos versinken kann. Die fehlende Disziplin unter Rivers erklärt einiges vom Kollaps der Saison und macht auch Giannis' Frustration nachvollziehbarer. Mit Taylor Jenkins und dessen Erfahrung aus Memphis könnte Milwaukee wieder zu fundamentaler Struktur zurückkehren. Allerdings hängt die Zukunft davon ab, ob Giannis noch an dieses Projekt glaubt oder ob die Bucks einen völligen Neustart brauchen.

Originalquelle: ESPN / NBAOriginal lesen →
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