Mike Evans steht nach zwölf Jahren bei den Tampa Bay Buccaneers jetzt in einem anderen Trikot. Bei der San Francisco 49ers hat der 32-jährige Wide Receiver seine erste Offseason absolviert, und schon wird klar: Die Verpflichtung war mehr als nur ein Schachzug für die Defensive. Evans kam zur Pressekonferenz nach einer Trainingseinheit, trug ein T-Shirt mit der Aufschrift "Humble Over Hype" und sprach in seinem ruhigen Tonfall über die gelungene Anpassung an die kalifornische Westküste.
Star-Lineman Trent Williams ließ sich danach zu ungewöhnlich großzügigen Worten über seinen neuen Teamkollegen hinreißen. "Mike Evans ist ein Hall-of-Famer, und man findet nicht viele Spieler, über die man bereits während ihrer aktiven Karriere mit Sicherheit sagen kann, dass sie in die Hall of Fame gehören", sagte Williams. "So jemanden im Team zu haben bedeutet viel. Seine bloße Anwesenheit, das was er über die Jahre geleistet hat, das inspiriert nicht nur die jüngeren Jungs." Als Evans von Williams' Aussage erfuhr, strahlte er übers ganze Gesicht. "Ein First-Ballot Hall-of-Famer sagt so etwas über mich?", fragte er ungläubig nach.
Bei den Offseason-Workouts fiel auf, dass der Name Evans immer wieder Lächeln auf Gesichter zauberte. Der Mann mit sechs Pro Bowls, zwei Second-Team All-Pro-Auszeichnungen und einem NFL-Rekord von elf aufeinanderfolgenden 1.000-Yard-Saisons nahm die Trainingsphase im April und Mai ernst wie kaum ein anderer. Er lief Routen, fing Pässe von QB Brock Purdy und stand den jungen Wide Receivern als Ansprechpartner zur Seite. Coach Kyle Shanahan nutzte Videoaufnahmen von Evans sogar als Motivationsmittel: Im Team Meeting zeigte er den anderen, wie intensiv ein Spieler von Evans' Renommee selbst in dieser Zeit trainiert.
"Er ist so wettbewerbsorientiert wie sie kommen", sagte Offensive Coordinator Klay Kubiak. "Dieser Typ gewinnt seine Zweikämpfe, und es ist einfach großartig, einen solchen Alpha-Spieler auf dieser Position wieder zu haben." Tight End George Kittle, der Evans aktiv zu den 49ers geworben hatte, beobachtete beim letzten OTA-Training wie Evans in den Red-Zone-Drills abräumte. In einer Trainingseinheit fing der Veteran nach Kittles Schätzung zwischen drei und fünf Touchdowns in Serie, nutzte seine Körpergröße und sein Sprungvermögen für Score nach Score.
"Jedes Mal wenn ich Mike sehe, denke ich: Wow, Mike Evans ist hier", sagte Kittle. "Ich kniffe mich jeden Tag in den Arm. Wenn ich auf die 49ers Geschichte schaue, ist das meiner Meinung nach der erste wirklich etablierte Veteran Wide Receiver seit Emmanuel Sanders 2019 in meinem Kader. Ich habe nichts gegen die anderen Veteranen, die ich hatte, aber hier reden wir von einem Hall-of-Famer, einem First-Team All-Pro, einem Pro-Bowler. Er nimmt die Sache mit dem Ball unglaublich ernst."
Für deutsche Football-Fans, die die 49ers verfolgen, ist Evans eine Ansage: San Francisco hat jetzt einen der besten Wide Receiver der NFL in seinem Prime-Alter noch immer spielen. Seine Präsenz im Team setzt einen neuen Standard für Professionalism und Wettkampfgeist, den auch die jüngeren Spieler annehmen müssen. Wer George Kittle im Fantasy-Draft hat, kann sich freuen: Ein Hall-of-Fame-Receiver in der Red Zone neben ihm erhöht sein Scoring-Potenzial merklich. Evans selbst bleibt ein verlässlicher High-Volume-Target, solange er fit bleibt. Das Wichtigste aber: Die 49ers haben deutlich gemacht, dass sie 2024 nicht experimentieren, sondern gewinnen wollen.