Die New York Jets haben eine klare Botschaft für die kommende Saison: Größe zählt. Coach Aaron Glenn hat sich dazu entschlossen, die Defensive massiv umzubauen, und das buchstäblich. Das Schlagwort lautet "mass kicks ass", und die Jets handeln danach.
Den Anfang machte der Trade für Nose Tackle T'Vondre Sweat, einen der größten Spieler der gesamten NFL. Bei 366 Pfund ist Sweat ein Koloss, der visuelle Vergleiche zu Pro-Bowl-Defensive-Tackle Kris Jenkins aus den 2000ern weckt. Jenkins spielte damals bei etwa 360 Pfund auf Weltklasse-Niveau. Right Tackle Armand Membou, selbst 335 Pfund schwer, beschreibt Sweat als "a big-ass dude" - wenn ein über 150 Kilogramm schwerer Offensive Lineman so etwas sagt, ist das eine besondere Erwähnung wert. Sweat soll laut Glenn sein Idealgewicht haben, obwohl er im College bis zu 400 Pfund wog. Die Jets werden ihn genau beobachten müssen. Sie haben jahrelang mit Tackle Mekhi Becton gekämpft, dessen Gewichts- und Konditionierungsprobleme für die Organisation zu Kopfschmerzen führten.
Aber Sweat ist nicht die einzige Maßnahme. Die Jets haben mindestens fünf Defensive Linemen im "300er Club" auf ihrem Opening-Day-Roster, darunter Rookie Darrell Jackson Jr. mit 315 Pfund. Sie verpflichteten Middle Linebacker Demario Davis mit 248 Pfund, 32 Pfund schwerer als sein Vorgänger Jamien Sherwood, der zur Weak Side wechselt. Die Veränderung im Backfield ist ebenso markant: Braelon Allen, ein Power Back, legte während seiner Reha nach Knieoperation zehn Pfund zu und wiegt jetzt 250 Pfund. Das macht ihn zu einem der schwersten Running Backs der Liga, etwa auf gleicher Höhe wie sein Mentor und Freund Derrick Henry.
Warum dieser radikale Umbau? Glenn nennt zwei Gründe. Erstens spielen die Jets zukünftig verstärkt in der 3-4-Formation, die größere Defensive Linemen benötigt, um zwei Gap-Verantwortungen zu übernehmen. Das ist ein kompletter Bruch mit dem vorherigen System, das auf Speed im Front Seven setzte, nicht auf Gewicht. Zweitens wurden die Jets im letzten Jahr bei der Laufverteidigung malträtiert und belegten Rang 29 in den erlaubten Rushing Yards. Sie ließen sich von den gegnerischen Offensiven zu sehr herumschubsen.
Allen selbst sagt, dass die Gewichtszunahme natürlich durch Training während der Reha kam. Seine Körperfettquote sitzt auf All-Time-Low, aber Allen deutet an, dass er möglicherweise zurückfahren muss - sonst könnte er auf 255 oder 260 Pfund landen. "I'll end up with my hand in the dirt", sagte er lächelnd. Das ist eine subtile Aussage: Ein zu großer Running Back, der zu dicht an der Line of Scrimmage agiert, wird zum Liability.
Allen selbst ist nach seinem ACL-Riss am 29. September wieder zu 100 Prozent. Er ist hochmotiviert und will es besser machen als beim letzten Mal, als seine letzten beiden Touches ein Goal-Line-Fumble und die Knieverletzung auf einem Kickoff Return waren. "The time is now, for sure", sagte er. Glenn plant, Allen, Breece Hall und Isaiah Davis als "three-headed monster" im Backfield zu nutzen. Das war der Plan im letzten Jahr, bis Allens Verletzung die Saison zur "Hall Show" machte. Die Jets verlängerten Hall gerade mit einem Dreijahres-Vertrag über 43,5 Millionen Dollar, also müssen sie ihr Geld auch wert bekommen.
Das wirft eine Frage auf: Wie viele Touches bleiben für Allen und Davis übrig, wenn alle drei den Ball bekommen sollen? Beide könnten ihre gesamten Rookie-Verträge bis 2027 als Backup spielen. Das ist weniger problematisch für Allen, der 2028 erst 25 wird. Davis wird dann 27 sein. Alles hängt davon ab, was Allen in den nächsten zwei Saisons leistet.
Die Jets gehen einen ungewöhnlichen Weg mit ihrer Größen-Strategie. Das NFL-Schwergewicht hat sich in den letzten Jahren eher zu Speed und Athletik bewegt, doch New York setzt bewusst gegen den Trend auf Masse und Kraft. Ob das aufgeht, hängt von drei Faktoren ab: Sweat muss sein Gewicht halten und nicht wie Mekhi Becton zur Belastung werden. Die 3-4-Front muss gegen moderne Offensiven funktionieren, die auf schnelle Pässe setzen. Und Allen, Hall und Davis müssen beweisen, dass sie als Trio effizienter sind als ein Star-RB allein. Für DACH-Fans ist das eine interessante Studie: Die Jets bauen ein Konzept, das mehr an physisches Gridiron-Football erinnert, nicht an das moderne, schnelle Spiel, das ELF-Teams prägt.